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2011 - Honigberg in bewegten Tagen

veröffentlicht um 23.08.2011, 00:22 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 23.08.2011, 07:19 ]
Das Honigberger Heimatbuch liegt vor mir. Es wurde geschrieben von Michael Konnerth und weist 1092 Seiten auf. Ich wollte es bis zum zweiten „Begegnungsfest der Honigberger von nah und fern“ lesen, jedoch ich schaffte es nicht. Zwar habe ich mich in einige der vielen historischen Daten hinein gekniet, aber das, was eigentlich im Bezug der Honigberger Begegnung zutreffend sein sollte, fand ich darin nicht. Wohl deswegen, sagte ich mir, weil das Heimatbuch die einen mit ihrem Erbe zurück lässt und die anderen die Erinnerung als Erbe in die neue Heimat begleitet.

Das diesjährige Treffen vom 13. Und 14. August zeigte, so wie auch Frau Kurator Erika Popescu in ihrer Begrüßung mitteilte, eine Mittelweg, wo beide Seiten an einem Tisch sitzen können um Brücken zueinander und Brücken in die Zukunft zu schlagen. Einen großen Dank richtete sie dabei an die HOG Honigberg und ihre Interimsvorsitzende Anneliese Madlo, ohne deren Hilfe der Erhalt und die Bewahrung der kirchlichen Anwesen nicht möglich gewesen wäre.

Frau Anneliese Madlo stellte dieses zweite Begegnungsfest unter das Zeichen des 800-jährigen Jubiläums des Burzenlandes, und zwar seiner Besiedlung durch den Deutschen Ritterorden. Ebenfalls dankte sie dem Kirchenchor für den musikalischen Aufwind in der Gemeinde und Christian Chelu für die Gestaltung der Homepage (www.honigberger.com). Erwähnt wurde auch der Fleiß bei der Errichtung des Heimatmuseums in der Kirchenburg, die Renovierung des Pfarrhauses und die aufwendige Friedhofreparatur. Ohne die vielen Helfer und Helferinnen, seien sie jung oder älter, wäre eine solche Leistung nicht möglich gewesen. Hier wurde eine Gedenkminute eingeschoben, um sich der vielen Honigberger zu besinnen, die nicht mehr unter den Lebenden weilen.

Frau A. Madlo erwähnte auch, dass beim großen Treffen zu Pfingsten in Dinkelsbühl 61 Trachtenträger aus Honigberg mitgewirkt hätten, was beispielhaft sei. Im Honigberger Heimatblatt wird noch ausführlich darüber berichtet werden. Sie lobte auch die rege Aktivität in Honigberg rundum das kirchliche Geschehen und gab ihrer Freude über die zahlreiche Präsenz zum Ausdruck. Rundum 100 Honigberger aus dem Ausland und ebenso viele aus dem Ort, hatten sich im Festsaal eingefunden; mit den geladenen Gästen waren es mehr als 220 Teilnehmer, die diesem Begegnungsfest beiwohnten

Frau Ingeborg Filipescu, die als Lektorin viel der Gemeinde gedient hat, richtete warme Worte an die Anwesenden und Bürgermeister Mihai Disor sprach traurige Worte über den Weggang so vieler sächsischer Leute aus Honigberg. Pfr. Kurt Boltres begrüßte auch seinerseits die Anwesenden und bat, die nicht zu vergessen, die dieser Fröhlichkeit und diesem Wiedersehn aus alters -oder gesundheitlichen Gründen nicht beiwohnen können. Zwischen den Reden waren wieder und wieder die Petersberger Blasmusikanten unter der Leitung von Ioan Dobrin zu hören und der Kirchenchor wartete auf mit Heimatliedern, die besten Anklang fanden. Die Wiedersehensfreude dauerte daher auch bis zum frühen Morgen bei Tanz und Musik an. Einen besonderen Anklang fanden auch die vielen Kuchenteller, die von fleißigen Frauenhänden mit selber gebackenen Kuchen gerichtet wurden. Man ließ für dieses Fest nur die 41 Baumstriezel backen, die bereits am ersten Tag gänzlich verzehrt wurden. Es hat also an nichts gefehlt, und das war gut so.

Für Sonntag wurden alle zum Festgottesdienst um 12,00 Uhr eingeladen. Sie kamen auch alle und es wurde ein schöner, erfüllter Tag. Den musikalischen Rahmen gab Organistin Frau Dominica Pepelea mit ihrem Ehegatten Dan, sowie der Honigberger Kirchenchor unter der Leitung von Diana Baldea. Für jeden geistlichen Moment war gesorgt, sei es mit zarten Stücken zum Gebet, mit gewaltigen Stücken zum Lobpreis und besinnlichen zur Verkündigung. Die Predigt wurde ein einziger Apell für den Frieden im Herzen, im Haus und in der Welt. Zum Abschluss kamen folgende Dankesworte vom Pfarrer zur Sprache:

„Sehr geehrte Gäste, liebe Vertreter der HOG Honigberg, liebe heimatverbundene Besucher aus Deutschland, liebe Brüder und Schwestern,

Ich danke meinerseits allen Mitgestaltern dieses II. Gemeinschaftsfestes der Honigberger von nah und fern. Ich danke allen fleißigen Händen die so viele Helfer bereitstellten, um diesem Fest einen feierlichen Rahmen zu geben. Ich danke in erster Reihe Frau Kurator Erika Popescu für ihre bestimmende Art und ihren selbstlosen Einsatz, ich danke dem gesamten Presbyterium für die pausenlose Hilfe, den Mitgliedern der Gemeindevertretung und allen Backfrauen, der Chorleiterin Diana Baldea und ihrem Kirchenchor, unserer Organistin Dominica Pepelea und ihrem Ehegatten für das Mitwirken in der musikalischen Gestaltung dieses Festgottesdienstes.

Und ich danke im Besonderen der HOG Honigberg, ihrer Interimsvorsitzenden Frau Anneliese Madlo, ihrem Helfer aus dem Vorstand Klaus Knorr und allen heimatverbundenen Honigbergern, die motiviert die lange Reise in die alte Heimat angetreten haben. Ich muss betonen: ohne sie hätte eine Fest der Begegnung hier nicht stattfinden können. Auch wenn an diesem Fest unsere Erinnerung weit zurück gedrängt werden soll, in die Zeit der Besiedlung dieses Ortes durch den Deutschen Ritterorden, so bleibt dennoch das Jetzt und Hier im Vordergrund. Denn jetzt heißt es Brücken bauen, jetzt heißt es Probleme bewältigen und jetzt heißt es neue Freundschaften knüpfen und alte wieder beleben. Jetzt wollen wir gemeinsam Erinnerungen auffrischen, Aufgaben lösen und Zukunft bewirken.

Ich danke ihnen für die Teilnahme und lade anschließend zu einer stillen Feier am Denkmal ein und darauf gehen wir gemeinsam zum Friedhof, wo wir ebenfalls einen Kranz niederlegen werden“.

Der Gottesdienst fand seinen krönenden Abschluss im „Ave Maria“, gesungen von Frau Diana Baldea, in Begleitung des Ehepaares Pepelea mit Orgel und Geige. Anschließend ging man zum Denkmal.

Den musikalischen Rahmen für die beiden anderen Anlässe, am Denkmal und anschließend am Friedhof bestellten fünf Bläser aus den Reihen der HOG, welche bekannte Melodien auf ihren Blasinstrumenten spielten, wie „Dort unten ist Frieden“ oder „Ich bete an die Macht der Liebe“ oder „Ich hat´ einen Kameraden“ oder „Wenn du noch eine Mutter hast“ u.a. Damit wurden die beiden Feiern, mit Kranzniederlegungen, zu ergreifenden Momenten. In seiner Ansprache am Denkmal sagte Pfr. Kurt Boltres:

„…Ob gewollt oder ungewollt, diese Menschenleben sind ohne jeglichen Sinn in fremder Erde gestorben, auch wenn man heute von Kriegsidealen, von Kriegsfolgen oder von Wiedergutmachung spricht. Diese Menschen, deren Namen hier auf Tafeln eingetragen sind, tragen keinerlei Schuld an ihrem Schicksal. Sie tragen auch keinerlei Schuld an dem Leid, das unser Volk später getroffen hat. Sie sind lediglich ein Opfer ihrer Zeit gewesen, wie auch wir ein Opfer unserer Zeit geworden sind. Einer geopferten Generation gedenkt man hier, wie man später auch unser einmal gedenken wird.

Jedoch die Erinnerung bleibt, denn sie ist tief vergraben in unserer Seele und bringt gerade jetzt zum Vorschein, was diese Glocke in ihrer Lebenszeit hätte tun müssen. Ihr Wahrzeichen lautete, wie auch zu lesen ist: „Den Toten läute ich den Frieden“. Doch sie war bei ihrem ersten Einläuten, noch vor der Weihe 1923, gesprungen und konnte nicht weiter geläutet werden. 50 Jahre blieb sie vergraben, gegenüber dem Westportal der Kirche, bis sie dann einen neuen Ehrenplatz über diesen Gedenktafeln einnehmen konnte.

Jetzt birgt sie unter sich die Namen von 74 Kriegsopfern des II. Weltkrieges und die Namen von weiteren 35 Opfern der Deportation zur Zwangsarbeit in die Kohlengruben des Donbas. Ihrer wollen wir heute gedenken. Früher lebten noch viele Honigberger hier im Ort, die gemeinsamen das ergangene Leid auf ihren Schultern tragen konnten. Heute sind das nur wenige. Aber die Wenigen, gestützt von den Hinzu-Gekommenen zum 2. Begegnungsfest, können diese schmerzhaften Erinnerungen gemeinsam tragen“.

Nach einem kurzen Besuch im kleinen Museum, welches die junge Generation eingerichtet hat (darüber wird im Spätherbst noch berichtet werden) und einem Fotoshooting ging man gemeinsam im Zug zum Friedhof.

Hier, am Friedhof, brachte Klaus Knorr von der HOG Honigberg in seiner Rede die Bindung zur Sprache, die trotz großer Entfernung, zu diesem Ort besteht. „Deinen Toten bleibe treu“ liest man auf solchen Gedenkstätten und über dem Eingang zum Friedhof steht das Bibelwort geschrieben: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90,12). Dankbar sind die Honigberger aus der Ferne dafür, dass die Pflege des Friedhofes musterhaft geschieht, obwohl sie die Mühe nicht sehen und manche Probleme vor Ort nicht hören. Die Verantwortung dafür, die Belastung durch die Arbeit und die getane Pflicht für die Verstorbenen liegen manchmal aufopfernd auf der Kirchenleitung, haben jedoch volle finanzielle Unterstützung von den heimatverbundenen Honigbergern und der HOG. Mit einer Schriftlesung und einem Gebet bekam diese Feier am Friedhof auch eine geistliche Note, so dass allen, über 150 Anwesenden, dieser Festtag etwas schenkte.

Erst 15,00 Uhr traf man sich wieder, nachdem man die würdevollen Worte und Augenblicke im Herzen bewegt hatte, beim Grill im Hof des Gemeindesaales. Der Gastwirt hatte sich besondere Mühe gegeben, auch wenn die hungrigen Gemüter etwas verspätetet gespeist wurden. Wiederum waren Gespräche, Ausspannen und Anteilnahme der zentrale Punkt dieser Begegnung. Bis zur späten Abendstunde blieb man beisammen. Es war keine Pflicht sondern eher ein Bedürfnis, was einzeln auch zur Sprache kam. Leid könnte es denen tun, die aus welchen Gründen immer, diesem zweiten „Begegnungsfest der Honigberger von nah und fern“ fern blieben. Sie können immerhin und es bleibt ihnen offen bis zum nächsten Treffen, sich die Sache überlegen. Ein letztes Wort auch denen, die namentlich nicht erwähnt wurden und ihre helfenden Hände zur Verfügung gestellt haben, mit großen Lettern geschrieben und ausgesprochen: DANKE !

Pfr. Kurt Boltres


Worte zur Kranzniederlegung am Denkmal in Honigberg am 13.08.2011

Zum Troste

Will ein Leid die Seele drücken,
Quält dich schwerer Sorge Pein;
Baue deinem Leide Brücken,
Trage nicht es ganz allein!

Musst von Herz zu Herzen bauen,
Leid verschweigen bringt nicht Heil,
Einem Freunde dich vertrauen,
Daß er trägt für dich ein Teil.

Freud´ und Leid´ sind rechte Schwestern,
Treue Schwestern, Seelverwandt;
Drückte Sorge schwer dich gestern -
Freude gibt dir heut´ die Hand.

Alois Josef Ruckert


Liebe Brüder, liebe Schwestern, liebe Honigberger,

Eigentlich wollte ich mit diesen Worten das Klemmen in meiner Brust überwinden, welches mich jedes Mal ergreift, wenn ich vor einem solchen Mahnmal stehe. Ich kann dann auch nicht verschweigen, dass in jeder unserer Familien eines oder mehrere Opfer erbracht wurden, die besonders schmerzhaft sind.

Ob gewollt oder ungewollt, diese Menschenleben sind ohne jeglichen Sinn in fremder Erde gestorben, auch wenn man heute von Kriegsidealen, von Kriegsfolgen oder von Wiedergutmachung spricht. Diese Menschen, deren Namen hier auf Tafeln eingetragen sind, tragen keinerlei Schuld an ihrem Schicksal. Sie tragen auch keinerlei Schuld an dem Leid, das unser Volk später getroffen hat. Sie sind lediglich ein Opfer ihrer Zeit gewesen, wie auch wir ein Opfer unserer Zeit geworden sind. Einer geopferten Generation gedenkt man hier, wie man später auch unser einmal gedenken wird.

Jedoch die Erinnerung bleibt, denn sie ist tief vergraben in unserer Seele und bringt gerade jetzt zum Vorschein, was diese Glocke in ihrer Lebenszeit hätte tun müssen. Ihr Wahrzeichen lautete, wie auch zu lesen ist: „Den Toten läute ich den Frieden". Doch sie war bei ihrem ersten Einläuten, noch vor der Weihe 1923, gesprungen und konnte nicht weiter geläutet werden. 50 Jahre blieb sie vergraben, gegenüber dem Westportal der Kirche, bis sie dann einen neuen Ehrenplatz über diesen Gedenktafeln einnehmen konnte.

Jetzt birgt sie unter sich die Namen von 74 Kriegsopfern des II. Weltkrieges und die Namen von weiteren 35 Opfern der Deportation zur Zwangsarbeit in die Kohlengruben des Donbas. Ihrer wollen wir heute gedenken. Früher lebten noch viele Honigberger hier im Ort, die gemeinsamen das ergangene Leid auf ihren Schultern tragen konnten. Heute sind das nur wenige. Aber die Wenigen, gestützt von den Hinzu-Gekommenen zum 2. Begegnungsfest, können diese schmerzhaften Erinnerungen gemeinsam tragen.

Deshalb bauen wir heute symbolische Brücken, um dieses Leid nicht alleine zu tragen und bitten Gott, den Herrn, er möge unsere Erinnerungen stets wach halten, allezeit und allerorts. Denn diesen Menschen, deren wir gedenken, gebührt besondere Ehre und Ehrfurcht. Gerade heute möchten wir die Sorgen von gestern, mit Gottes Hilfe, in Freude von morgen verwandeln. So Gott will, wird dies geschehen, wir hoffen darauf und verharren in stillem Gedenken einige Augenblicke unseren Toten zur Ehre.

Der Dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, walte unter uns mit seinem reichen Segen. Amen.

Pfr. Kurt Boltres
 
 
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