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Chorreise

veröffentlicht um 06.09.2011, 13:24 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 06.09.2011, 13:36 ]
Eine verdiente Reise


Nachdem eine Chorreise von den Mitgliedern des Honigberger Kirchenchores mehrere
Male angesprochen wurde und versteckt die Meinung geäußert wurde, dass der
Kirchenchor eigentlich nach erfolgreichen Auftritten belohnt werden müsse, kam es
Ende August dazu, eine solche zu unternehmen.

Eingeladen wurde der Kirchenchor bereits beim diesjährigen Treffen der Kirchenchöre
in Neustadt, und zwar vom Schässburger Chorleiter und Organisten Theo Halmen.
Vom Dechanten des Schässburger Kirchenbezirkes kam auch der Tipp das Gästehaus
von Groß-Alisch anzusteuern.

Allerdings ging es nicht blind und unvorbereitet dieses Ziel anzupeilen. So konnte
nach einigen Telefonaten, nach Zu-und Absagen, ein richtiger Reiseplan aufgestellt
werden. Ein Fahrzeug stellte uns die Kirchengemeinde Neustadt zur Verfügung und
die restlichen Chormitglieder reisten privat an. Die Abfahrt geschah aus Honigberg an
einem Freitag, am Nachmittag, einem heißen Tag, dem 26. August 2011.

In Groß-Alisch (Seleus) bei Schässburg erwartete uns „Hansi“ (Demirel Hermann),
der Verwalter des Pfarrhauses, das zum Gästehaus umgebaut wurde. Große Zimmer
mit vielen Betten, blickten uns entgegen, ein großer Aufenthaltsraum und großer
Hof mit Garten wurden uns gezeigt. Im Hof konnten wir die Luft des Dorfes an der
großen Kokkel richtig genießen. Um uns ein wenig abzukühlen, wurde eine riesige
Melone verspeist. Darauf bezog man Quartier und kommentierte in geselliger Art das
Gemeinschaftsbad. Unterhalten wurden wir an diesem Abend von dem lebhaften
Zwilling des Verwalters, bis spät in die Nacht hinein. Die letzten Chormitglieder reisten
erst 22,30 Uhr an. Dennoch fand dieser erste Abend einen guten Abschluss, trotzdem
der Ort noch nicht erkundet war und auch den Chormitgliedern nicht bekannt, auch
ohne Gelsenplage oder Hundegebell

Am Samstagmorgen wurde nach der Morgenandacht ein schmackhaftes Frühstück
gereicht, bei dem der gebratene Speck und die Omeletten besonderen Anklang fanden.
Um 10,00 Uhr besuchte uns Frau Agnes Köber, die Pfarrerin des Ortes und führte uns
in die Kirche. Sie betreut insgesamt 7 Gemeinde im Kokkeltal und hat sich dennoch
Zeit für uns genommen. Die relativ große Kirche, die immerhin auf mehr als 700 Jahre
Geschichte zurückblicken kann, machte einen tiefen Eindruck auf uns. Die Akustik ließ
sich auch recht gut darin ausprobieren. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass
die Gemeinde Groß-Alisch eine Homepage hat unter www.gross-alisch.de anzusehen.
Anschließend kam von Frau Agnes Köber eine Einladung nach Dunesdorf (Danes),
einer früheren hörigen Gemeinde, die zur Domäne der Fürstenfamilie von Michael
Apafi gehört hatte. Hier wurden wir mit Kaffee, Kuchen und Melone bewirtet, was den
wanderlustigen Chormitgliedern Mut machte, auch den Kirchturm zu besteigen. Mehr
als 3 km und eine Brücke über die Kokkel trennen beide Gemeinden voneinander.
Die Rückreise nach Groß-Alisch wurde lustig und abenteuerlich gefahren. 15 Leute in
einem Kleinbus. Das Reserverad blieb unbesetzt. Dieses Abenteuer machte hungrig,
was „Hansi“ (Demirel Hermann) in Groß-Alisch mit einem schmackhaften „ceaon“
belohnte. Da konnte niemand NEIN sagen. Gezwungen wurden wir durch diese

Kostbarkeit allerdings zu einer längeren Mittagspause.

Am frühen Nachmittag war Keisd (Saschiz) am Plan. Hier sollten wir mit unserem
Gesang der Kirchengemeinde eine Freude bereiten. Es kam aus unverständlichen
Gründen nicht dazu. Dafür belohnten wir Nikolaus für seine schöne Kirchenführung
mit einem Gesang in der Keisder frisch renovierten Wehrkirche. Einige durften sogar
die Wehrgänge oberhalb der Kirche besichtigen, bevor wir uns auf den Weg zur
Fliehburg machten. Volle 20 Minuten keuchten wir den Serpentinenweg hoch, um eine
wundervolle Aussicht in den Ruinen dieser Burg zu genießen. Sieben umliegende
Gemeinden haben an dieser Burg gebaut um in ihr, während der Türkengefahr, Schutz
zu finden. Auch wenn die ganze Burg jetzt einer verwahrlosten Ruine gleicht, regte sie
Fragen und Antworten an. Etwas eilig war darauf der Abstieg, der bei einigen, wegen
Unvorsichtigkeit, eine Muskelkater am nächsten Tag verursachte. Die Müdigkeit wurde
in der „Bibliothek“ von Keisd mit einer riesigen Portion Eis vertrieben.

Am späten Abend fanden wir uns wieder im Groß-Alischer Pfarrhaus ein, um den
köstlichen Grill zu genießen. Bis spät in die Nacht hinein unterhielten wir uns, quasi
wurden vom Hausherrn „Hansi“ unterhalten. In lebhaften Bildern konnte er uns einiges
aus seinem Werdegang schildern und es tat allen gut, einmal richtig zu entspannen.

Am Sonntag kam es zu unserem großen Auftritt in Schässburg, siehe auch
www.schaessburg.org. Nach der Morgenandacht, dem Frühstück und dem Anlegen
der festlichen Garderobe, fuhren wir zur Bergkirche nach Schässburg. Hier wurden
wir schon von Theo Halmen erwartet, konnten uns kurz einsingen und wurden mit
5 Liedern in den Gottesdienst eingespannt. Es ist eine Freude in der Bergkirche zu
singen. Darin gibt jeder Stein sein dankbares Echo zurück und man geht erfüllt durch
Gottes Wort, Gebet und Gesang wieder heim.

Wir jedoch wurden ins „Schänzchen“, eine geräumte Bastei neben dem Pfarrhof,
zu einem kurzen Kaffee eingeladen. Hier trafen wir auf eine Gruppe „ökumenischer
Christen“ aus Attendorf / BRD, die sich auf der Durchreise befand. Besonders lieb
wurden wir vom Presbyterium der Schässburger Stadtgemeinde bewirtet. Wir haben
uns entsprechend bedankt und zu einem Gegenbesuch eingeladen. Darauf freuen wir
uns. Dann können wir uns auch erkenntlich zeigen, auf Burzenländer Art.

In Groß-Alisch zurück, mussten wir schon wieder essen. Jedoch niemand verzichtete
auf seine Portion. Solch eine Gemeinsamkeit macht Appetit. „pofta vine mancand“ sagt
man hierzulande. Eine Waage haben wir gottseidank nicht mitgebracht, sonst wäre es
zu peinlichen Augenblicken gekommen.

Nach einer Mittagsruhe verabschiedeten wir uns vom Groß-Alischer Pfarrhaus
und seinem Verwalter, und kamen über Klosdorf (Cloasterf) und Bodendorf
(Bunesti) wieder nach Hause. In Klosdorf erwartete uns eine zum Teil renovierte
Kirchenburg. Man sieht darin die Hand der Eminescu-Stiftung (Eminescu-Trust,
www.mihaieminescutrust.org), die nicht nur Häuserzeilen aufkauft und sie restauriert,
sondern das gleiche auch an Kirchenburgen tut. Klosdorf ist sehenswert, das wollen wir
jedem raten.

Es folgte ein Abstecher in das vor kurzem gegründete orthodoxe Kloster von
Bodendorf. Der Blumengarten hat uns hier sehr beeindruckt und die Stille dieses

Ortes. In nur 10 Jahren ist hier ein Pilgerort entstanden, mit einer im byzantinischen Stil
gebauten Kirche, Parkanlage und vielen Übernachtungsmöglichkeiten. Dieser Ort hat
noch keine Geschichte im Vergleich zu den vielen anderen, die wir besuchten, die seit
ihrer Gründung Fürsten, Völker und einen Glaubenswandel erlebt haben. Abends 19,00
Uhr, am Sonntag dem 28.08.2011, stiegen wir in Honigberg aus den Fahrzeugen und
verabschiedeten uns. Viele ließen in Gedanken an diesem Abend dankbar noch das
Erlebte am inneren Auge vorüber gehen, bevor ihnen Gott der Herr die Ruhe der Nacht
schenkte.

Diese Chorreise war für viele Mitglieder eine notwendige innere Entspannung und auch
ein geistlicher Aufbau. Denn das Morgen-Mittags und Abendgebet wurde konsequent
gepflegt, und das nicht in einer erzwungenen Hektik, sondern mit einer Ruhe, die
wir unbedingt nötig hatten. So kamen wir neben den visuellen Neuigkeiten, dem
Staunen über historische Orte, auch zu einer inneren Erbauung, unterstützt natürlich
mit geistlichen Liedern. Wir haben nicht vergessen, dass wir als Kirchenchor diese
Reise antraten. Dem Presbyterium der Kirchengemeinde Honigberg sei hiermit ein
besonderer Dank ausgesprochen dafür, dass er diese Chorreise ermöglicht hat. Der
gleiche Dank ergeht auch an alle Mitglieder des Honigberger Kirchenchores und ihrer
Chorleiterin, die mit viel Freude, Enthusiasmus und Liebe dabei waren, ohne deren
Engagement für diesen Dienst an der Gemeinschaft, diese Chorreise auch nicht
möglich gewesen wäre. Allen also – ein großer Dank.


Kurt Boltres

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