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Pfarrer Kurt Boltres stellt sich vor

veröffentlicht um 29.04.2011, 06:56 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 29.04.2011, 12:25 ]
In die Verantwortung hineingeboren


Alle Welt wäre zufrieden, sollte noch was zusätzlich, außer den bekannten Informationen, erfahren werden. Nun ich
bin kein Unbekannter im Burzenland. Ich habe schließlich die Revolution überstanden, den großen Exodus überlebt
und zur jetzigen Stabilität der Restegemeinden im Burzenland erheblich beigetragen.

Den ersten Atemzug, der nach Gottes Willen meine Existenz belebte, habe ich, Kurt Boltres, am 03.03.1955 in
Neustadt/Kronstadt getan. Er sollte mir schon damals bestimmend sein, wo die Hebamme bei meiner Geburt
mächtig ins Schwitzen geriet. Ich habe eigentlich wenig dazu beigetragen; ich wurde einfach geboren. In diesen
zuversichtlichen Wesenszügen hat sich, bis zum heutigen Tag, mein Leben gestaltet. Ich wuchs in Neustadt auf,
wohl behütet und liebevoll umsorgt von meinen Eltern Hans und Martha. Hier durfte ich mich, mit meinem älteren
Bruder, an allem was eine siebenbürgische Dorfgemeinschaft zu bieten hatte, erfreuen. Das war die Kirche mit
ihren Leben weisenden Worten, das war die Nachbarschaft mit ihren Pflichten und Rechten, das war das dörfliche
Laientheater, oder die Blasmusik, oder die Schrammelgruppe mit Tanzgruppe, alles Veranstaltungen an denen
ich teilnahm. Kurzum, diese Jugendaktivitäten standen im Dienst an der Gemeinschaft. Das hat eigentlich meine
Entscheidung Pfarrer zu sein, wesentlich beeinflusst. Denn in meiner Familie wurde seit Generationen der Dienst
an dem Nächsten als prioritär angesehen. Vielleich war es auch der frühe Tod meines Vaters, der meine neue
Lebensrichtung bestimmte. So kam es, dass ich über die Schulungen in Neustadt, Zeiden, Kronstadt die Hochschule
in Hermannstadt besuchte. Nach einem strengen Vikariat in der Gemeinde Baassen/Mediasch kam ich als frisch
verheirateter Pfarrer in die Gemeinde Malmkrog, die damals 1980 etwa 700 Seelen zählte. Hier wurde unsere Tochter
Melitta geboren und hier verbrachten wir 8 friedliche Jahre mit meiner Frau Regine, die im Lehramt tätig war.
Darauf wurde ich nach Bartholomä berufen, um hier in einer markanten Zeit einen verantwortungsvollen Dienst zu
übernehmen. Denn die geordneten Verhältnisse einer stabilen Burzenländer Kirchengemeinde fand ich nicht mehr
vor. Die Auswanderung durch Abkauf oder programmgemäßer Quantenregelung hatte schon tief eingegriffen, so dass
die panikartige Auswanderung nach der „Revolution“ eigentlich verständlich war. Diese neue Situation, in welcher
ich tagelang am Bahnhof gestanden bin, um von Freunden und Verwandten Abschied zu nehmen, hat mich bewogen
auch an die Bleibenden zu denken. Und weil diese Bleibenden überwiegend den älteren Generationen angehörten, die
einem Umbruch hilflos ausgeliefert waren, entschied ich mich, zu bleiben, und meine Hilfe in allen Bereichen dieser
Restgemeinde zu geben.

Ich habe die neuen, zeitaufwendigen Aufgaben in Kirche und Forum nicht gescheut und habe mich einbringen
lassen, in mir unbekannte Gebiete. Ich habe in der ersten Zeit Hilfstransporte übernommen, Landwirtschaftsvereine
gegründet, war Mitbegründer vieler Vereine und Gesellschaften, die der deutschen Minderheit zu Nutzen sein
sollten. Vieles aus der alten Zeit wollte ich hinüber retten, in die neue Zeit und bin selbst ein Opfer dieser sozialen
Umwälzung geworden. Diesem Stress hat meine Frau nicht standhalten können. Sterbenskrank und nach jahrelanger
Pflege musste ich von ihr nach 16-jähriger Ehe Abschied nehmen. Meine Tochter habe ich darauf hin ausgewandert.
Mittlerweile bin ich auch Großvater geworden und darf mich über Telefon und PC an meinem 10-jährigen Enkelsohn
erfreuen. Zwei Welten trennen uns mit vielen Verwandten, Bekannten und Freunden, die über ganz Deutschland
verstreut leben. Nur seltene große Familienfeiern bringen uns, seit der Auswanderung noch zusammen

Ich stand nun in der Mitte des Lebens und wollte nicht, aber konnte auch nicht auswandern. Denn viel zu sehr
hatte ich mich in die Begleitung der gebliebenen Gemeindeglieder eingebunden. Ich fühlte mich gebraucht und
immer wieder in neue Verantwortung genommen. Das zeugt auch meine Mitarbeit im Bezirkskonsistorium, im
Landeskonsistorium, im Forum, beim Diakonischen Werk, bei der Evangelischen Akademie, bei der Saxonia-Stiftung
und anderen Vereinen, wo ich im Verwaltungsgremium tätig war, oder gar Leitungsfunktionen übernahm. Eine
bedeutende Stütze für diese so genannten „gemeinnützigen“ Aktivitäten bekam ich von meiner jetzigen Ehegattin
Denisa, mit der ich mich 1999 verband. Sie hat mich angespornt, im Besonderen für soziale Dienste, welche sie zum
Teil auch selber als Pfarrfrau übernehmen konnte. Beide konnten wir die wachsenden Veranstaltungen ausbauen
und die Gemeinde zu einer beneidenswerten Einheit auf geistlicher, sozialen, finanzieller und kultureller Ebene
zu machen. Neben Bartholomä durfte ich noch die Betreuung von Weidenbach, Tartlau, Marienburg, Rothbach,
Nussbach und Rosenau übernehmen. In diesem weiten Arbeitsfeld ergab es sich, dass wir die Vormundschaft für 
Helmut Preiss übernahmen, der wegen geistiger Behinderung orientierungslos blieb. Für ihn mit zu sorgen, hat uns
Kraft gegeben große Hürden zu überwinden.

Leider musste ich mich von wertvollen Verantwortungsträgern in der Gemeinde verabschieden. Sie sind durch
Ableben, Alter oder Krankheit gegangen, so dass jüngere, der Gemeinde unbekannte, Leute nachrückten. Die Zeit
dazu fehlte, diese Neuen richtig in die kirchlichen Gepflogenheiten und Pflichten einzuführen, so dass nach 22-
jähriger segensreicher Tätigkeit, die Gemeinde gespalten wurde. All meine versöhnenden Versuche scheiterten,
bekanntlich an der Umkehrung „wo kein Wille, ist auch kein Weg“. Ich bat nun, aus persönlichen Gründen, um meine
Versetzung innerhalb des Burzenlandes. Ihr wurde nach langem Suchen statt gegeben und es kam zum Wechsel. Seit
dem 01.03.2011 wurden mir als neues Betreuungsgebiet die Gemeinden Rosenau und Honigberg zugeteilt. Es sind
zwei gestandene Gemeinden, die beide Perspektiven haben. In beiden Gemeinden kann man aufbauen und Schutz,
sowie Frieden finden. Ein friedvolles Miteinander hat immer Zukunft. Selbstverständlich reicht dieses Arbeitsfeld
bis hin zu den Heimatverbundenen, die über die HOG so Vieles ermöglicht haben. Ihnen sind wir Dank schuldig und
ihnen stehe ich ebenfalls zur Verfügung, soweit sie´s wünschen. Möge Gott der Herr seinen Segen dazu geben.

Ich habe das Sprachrohr für den Gemeindepuls mitgebracht. Das ist der Gemeindebrief, welcher alle zwei Monate
Reflexionen und neue Vorhaben belichtet, aber in der Hauptsache geistliche Impulse geben soll. Er soll gleichzeitig
ein Zusatz zur Homepage von Honigberg sein. Ideen zur Neugestaltung und Orientierung sind willkommen, soweit es
unsere technischen Mittel erlauben.

Gruß und Gottes Segen

Pfr. Kurt Boltres
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