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Reise des Honigberger Kirchenchores

veröffentlicht um 26.06.2018, 06:20 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 27.06.2018, 03:43 ]

Reise des Honigberger Kirchenchores

Sommersonnenwende. Das ist immer die Zeit im Jahr, in welcher sich beim Honigberger Chor die Wanderlust breit macht und sämtliche Mitglieder das Fernweh packt. Dank grosszügiger Unterstützung unserer Gemeinde, konnte auch in diesem Jahr unser Chor die mittlerweile traditionell gewordene Reise antreten. Heuer ging es in die reizvolle Bistritzer Gegend, in eine Landschaft in welcher saftige Wiesen, unendliche Obstgärten, wohlgepflegte Weinberge einander ablösen. In grüne Täler eingebettet, sieht man schon von weitem ansehnliche Dörfer mit ihren alten Kirchtürmen - einige von ihnen noch aufwendig von Sachsen betreut, andere dem Verfall überlassen, aber auch einige wenige, welche mit der Zeit in fremden Besitz gelangt sind.

Auf unserer Chorreise hatten wir die Gelegenheit gleich mehrere solcher ‚entfremdeten‘ Bauten zu besichtigen. Als erste sei die schöne, imposante Bistritzer Stadtpfarrkirche erwähnt, welche aus verwalterischen Gründen an die lokalen Behörden entfremdet werden musste. Weiter, durften wir die stattliche Kirche in Tarpiu (einst Treppen) besichtigen, eine Kirche mit sehr guter Akustik, in welcher heute orthodoxe Gottesdienste abgehalten werden. Die Reise ging weiter zu einer anderen ‚aufgegebenen‘ Kirche, und zwar nach Monariu (einst Minarken), wo das einzige runde Kirchenschiff in Siebenbürgen zu bewundern ist und welches sich heutzutage im Besitz einer kleinen pentikostalen Glaubensgemeinde befindet. Die Kirche in Jelna (einst Senndorf), welche wir auch besichtigt haben, hatte nicht dasselbe Glück, von einer anderen Konfessionsgruppe übernommen zu werden. Nun sind hier leider nur noch efeuumrankte Ruinen zu sehen. Erfreulich ist jedoch dass die orthodoxe Kirche hier versucht mittels europäischer Mittel zumindest einen Teil des Chorraumes zu retten.

Gewiss haben wir in diesen ursprünglich schlichten Kirchenräumen, die eine oder andere ‚exotische‘ Inneneinrichtung mit kritischem, sächsisch-konservativem Auge betrachtet. Trotzdem kann man den kontinuierlichen Versuch der neuen Besitzer, diese Bauten zu retten und zu pflegen, nicht genug loben. Nur so konnte der Verfall verwehrt und der ursprüngliche Zweck des Sakralbaus -der Gottesdienst- fortgeführt werden.

Mit diesen Eindrücken kehrten wir heim, unseres Glückes bewusst eine sehr gut erhaltene Kirchenburg zu besitzen, mit neuer Hoffnung dass in der Honigberger Kirche noch viele Generationen ihren Chorgesang erklingen lassen werden. Diese Hoffnung haben leider schon viele aufgegeben...

Schade, denn -wie Perl S. Buck gesagt hat- „Die Hoffnung aufzugeben bedeutet, nach der Gegenwart auch die Zukunft preiszugeben.

Martin Graef jun., Honigberg



Fotoalbum:

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