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Andacht Radio Neumarkt

veröffentlicht um 09.04.2020, 03:31 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 09.04.2020, 03:51 ]
Mittwoch 08.04.2020 – 14,00  Uhr

Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Neumarkt,

Mein Name ist Kurt Boltres, ich wohne in Neustadt (rum. Cristian-Brasov) im Burzenland, bin ein junger Rentner und betreue noch als evangelischer Pfarrer der siebenbürgischen Kirche A.B. die vakanten burzenländer Gemeinden Rosenau (rum. Rasnov) und Honigberg (rum. Harman).

Nun ja, Nach Palmsonntag hat die Karwoche begonnen.
Die Karwoche, das ist die Woche vor Ostern, die Woche vor dem dem Auferstehungstag. Es ist eigentlich die sorgenvolle Woche, die stille Woche, wie sie sonstwo genannt wird. Und der Mittwoch darin, ist der vierte Tag dieser stillen Tage. Viele Traditionen verbinden uns mit dem Mittwoch der Karwoche. In Jahrhundert langer Zeit ist es zu diesen Tarditionen gekommen. Dieser Mittwoch wird in der Karwoche mit dem Verrat des Judas an dem Herrn Jesus Christus verbunden. Die Ereignisse damals finden jedoch nicht vor den Augen der Öffentlichkei statt, wie auch heute gewisse Dinge nicht der Öffentlichkeit Preis gegeben werden. Hier geht es um verschwörerische und auch intime Dinge, die den Verlauf der Karwoche in Jerusalem bestimmen.
Die Beliebtheit, die sich Jesus durch seine Wundertaten und seine zu Herzen gehenden Worte beim Volk erworben hatte, ließ die Mitglieder des Synhedrions, des Hohen Rates, um ihren Einfluss und um ihre Zukunft fürchten. Zudem hatte Jesus sie noch am Vortag sehr heftig provoziert. Deswegen konnten sie nicht dulden, dass Jesus als Messias gefeiert wird und sich als solcher auch noch am Palmsonntag bejubeln lässt. Dem konnte man nur durch die Beseitigung dieser Person beikommen. So hat es der angesehene Hohepriester Kaiphas auch verstanden, der profetisch verlauten ließ, es wäre besser, wenn einer für das Volk stürbe, als dass das ganze Volk durch ihn zugrunde ginge. Sie berieten daher mit Judas, wie es zu erreichen sei, dass Jesus Christus festgenommen wird, angeklagt und verurteilt werden kann, ohne das Volk aufzuwühlen.
Das Verhalten der Machthaber von heute ähnelt dem der damaligen frappierend. Den Verrat am besten Freund kennen wir. Die Methoden der uns bekannten  „securitate“  sind noch gegenwärtig. Es genügt nur ein kleiner ein Hinweis, um den Freund  in Ungnade zu stürzen. Denuzianten gsb es beinahe in jeder Familie. Machthaber dulden auch keine Abweichler. Sie wollen immer nur das Absolute. So wird auch Jesus zum Opfer seiner Zeit. Doch er tritt mit großem Mut seiner Bestimmung entgegen. Gesalbt von der Frau, mit den langen Haaren, bitete er sich an. Diesmal ist er nicht der Gebende, sondern er ist der Empfangende. Noch ist Zeit die Jünger für das Kommende vorzubereiten.
Doch mit aller Lehre und Anschauung, trifft Jesus nicht die Erwartungen der Mehrheit und auch nicht des Judas Ischariot. Judas, wie auch viele andere Juden, hat auf einen messianischen Umsturz gehofft, doch darin hat er sich bei Jesus getäuscht. Denn die göttliche Befreiung durch Jesus geht einen anderen Weg, nicht den der Gewalt, nicht den einer Revolte oder eines Krieges. Die Römer sind doch nur irdische Statthalter von Jerusalem gewesen. 
Also, denkt auch Judas, weg mit diesem. Plan B muss heran. Und dieser Plan B war kein anderer, als der Verrrat. Für 30 Silberlinge lässt sich Judas Ischariot kaufen, um seinen Jesus zu verraten. Wo, wann und an welchem Ort dieser falsche König zu fassen sei, wird hinter den Kulissen ausgemacht. Dass hier auch gewisse Bedenken einem Menschenleben gegenüber angeführt werden könnten, ist den verblendeten Machthabern fremd. Sie allein wollen bestimmen und auch handeln.
Noch ist Ruhe, noch wissen die Tempelsoldaten nichts von dem mörderischen Befehl. Noch hat kein Hahn gekräht. Noch hat kein Römer in der Unschuld seine Hände gewaschen. Noch wird kein Sünder und Mörder anstelle des Gottessohnes bevorzugt.
Und so bleibt es vorerst am Mittwoch still.
Doch die christliche Tradition bleibt nicht still am Mittwoch in der Karwoche. Vielerorts zeigt sich ein geschäftiges Treiben. Nur meine Großmutter fastete, trotz Hausarbeit an diesem Tag. In unserem Haus war der Mittwoch der eigentliche Putztag, denn am Gründonnerstag war Gottesdienst und am Karfreitag ebenfalls, diese beiden Tage hatten auch ihre traditionellen Rituale. Doch der Mittwoch blieb bis heute der Tag, wo in allen Ecken gesäubert wurde, wo die vielen Fenster des Hauses geputzt wurden, wo von Früh bis Spät die Waschmaschine lief. So zeigt es auch die Tradition der Niederlande, die diesen Tag als den letzten Waschtag vor Ostern bezeichnet. Anderenorts steht der Markt am Mittwoch voller Lämmer, die gekauft werden und den Lammbraten zu Ostern ausmachen. Das Eierfärben wird dem Abend am Karfreitag überlassen. 
Doch mitten in diese Geschäftigkeit des Mittwochs vor Ostern soll die Stille nicht vergessen werden, die Stille dieser Woche, welche mit dem letzten Abendmahl, mit Verrat, mit Gefangennahme, mit Leiden und Sterben am Kreuz verbunden wird. Aus dem Jubel des Palmsonntages soll sogar Grabesstille werden. 
Diese Stille füllen wir nun an mit Gebet und innerer Einkehr. Denn diese Isolation in die wir vom Gesetz her verscheucht wurden, bietet sich ideal dafür an. Wir können doch in unseren vier Wänden nicht die Boxen dröhnen lassen. Wir können auch nicht alleine Zechen und Feiern. Dafür brauchen wir den Nachbarn und der bleibt, wie auch wir, isoliert in seinem Haus. Und mit dem Corona-Virus schwebt auch eine gewisse Angst mit. Die zwingt uns zum Nachdenken, die zwingt uns zum stille werden und zur inneren Einkehr.
Und Gott, der Herr, wird sogar dabei sein, in dieser Stille. So wie er seinen lieben Sohn Jesus Christus in der stillen Woche begleitet hat, so wird er auch bei uns weilen, wenn wir stille werden und zu ihm beten: Herr, sei uns Sünder gnädig ! Wir denken dabei nicht nur an uns, sonder auch an die vielen Brüder und Schwestern in der ganzen Welt und beten auch für sie. Der Herr erhöhre unser Gebet. Amen.

Wir beten
Als die Jünger fragten: „Herr, lehre uns beten“, so taten sie dies, weil sie nicht wussten, wie zu beten. Doch Jesus hat uns gelehrt, nicht nur das Vaterunser zu beten, sondern auch Fürbitte zu leisten für unsere Mitmenschen.
An Tagen, wie diesen, sind wir unseren Nächsten besonders nahe. Denn auch sie spüren die Angst genau so sehr, wie auch wir. Aber auch die Regierenden nehmen wir mit in unsere Gebet, dass sie ihre Entscheidungen nach deinem Willen treffen. Vor allem ist unser Gesundheitswesen über alles gefordert. Stehe deshalb den vielen Ärzten, Assistenten, Pflegern und Freiwilligen bei und schenke ihnen Mut und Kraft, ihrer Berufung nach den vielen Kranken zu dienen. Stärke sie in deiner Gnade.
Herr, unser Gott, du bist reich an Barmherzigkeit und Gnade, und mit deiner väterlichen Fürsorge führst und leitest du unser Leben, erhöre unser Gebet und siehe gnädig herab auf unsere bußfertigen Herzen. Gebiete Einhalt dieser über die Menschheit hereingebrochen Pandemie. Doch du bist der Arzt unserer Seele und unseres Leibes. Verhilf zur Genesung denen, die krank sind, damit sie Dich mit neuen Zungen loben und preisen. Die Gesunden bewahre vor Ansteckung und Panikmache. Entferne alle Krankheit und alles Leid aus deinem Volk und lehre uns das Leben und die Gesundheit als Deine guten Gaben neu schätzen zu lernen.
Trotz der vielen Anstrengungen, werden viele Menschen sterben. Mehr als gewöhnlich. Gib, dass sie in Frieden dahingehen und nimm sie auf in deiner väterlichen Fürsorge.
Gib uns Deinen Frieden und erfülle unsere Herzen mit einem starken Glauben an Deine väterliche Fürsorge, mit Hoffnung auf Deine Hilfe und mit Liebe zu Dir und unserem Nächsten.
Wir bitten dich aber auch für unsere Lieben, mit denen wir verbunden sind, für unsere Eltern, für unsere Frauen und Männer, für unser Kinder und Enkelkinder. Wir denken auch an unsere Verwandten in der Nähe und in der Ferne, an unsere Freunde und Bekannten. Wir bitten die für alle Menschen ob gesund oder krank, ob glücklich oder in Not, ob zufrienen oder in Sorgen, ob in Freude oder in Angst ... und in der Stille beten wir für sie, und nennen ihre Namen. Herr, erhöre unser Gebet.



Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

Pfarrer Kurt Boltres