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Hauptgottesdienst am Ostersonntag 12.04.2020

veröffentlicht um 11.04.2020, 02:23 von Christian Chelu   [ aktualisiert 17.04.2020, 09:06 von Christian Chelu ]
Hauptgottesdienst  am Ostersonntag 12.04.2020, Pfarrer Kurt Boltres

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied EG. 73,1-4


Tagespsalm Nr. 68 „Der Sieg Gottes“

Gebet:
Allmächtiger, himmlischer Vater. Du hast durch den Tod deines Sohnes die Sünde und den Tod zunichte gemacht und durch sein Auferstehen Unschuld und ewiges Leben wiedergebracht, auf dass wir von der gewalt des Bösen erlöst in deinem Reiche leben. Wir bitten dich: Hilf uns, dass wir deinen Sieg von ganzem Herzen Glauben und in diesem Glauben beständig dich allezeit loben und dir danken durch unsern herrn, Jesus Christus, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen 
Wirt lesen das Predigtwort des heutigen Tages:
Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.        1.Korinnther15,20

Der Grundton zum Leben ist gegeben
Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Zu Ostern, vor einem Jahr, jubelte ich mit den Worten:
„Heute haben wir einen wunderschönen Gesang in der Kirche. Die Stimmen unseres Kirchenchores dringen hell und klar bis in die weitesten Ecken der Kirche. Es ist ein Genuß diesem Gesang zuzuhören.“
Doch heute im Coronus-Jahr 2020 klingt es anders. Die Kirche ist leer. Hie und da erklingt eine Orgel, der Kirchendiener ist anwesend und der Pfarrer spricht zu leeren Bänken. Er spricht für sich. Ein Chorgesang wird von einem Recorder abgespielt, die technik macht Vieles möglich. Hören wir erst hin und lauschen andächtig.
Doch das Hören genügt nicht allein. Wir müssen auch beobachten, um den Wert eines Gesanges zu begreifen; dem Gloria der Auferstehung nämlich, welches von Chören heute mancherorts auf der weiten Welt, trotz Kirchensperre gesungen wird. So auch hier eine Chormusik, die an unserem inneren Auge vorbeigeht. Wir erinnern wir uns an frühere Zeiten. 
Vor jedem Gesang nimmt der Chordirigent die Stimmgabel zur Hand und gibt den Ton an. Er richtet sich nach dem Kammerton, nach dem Grundton, dem absoluten „a“, wie man es in der Musik nennt. Ohne diesen rechten Ton kann kein Chor singen.
Diese Praxis der Musik kann auch als Gleichnis für den christlichen Glauben angesehen werden. Denn auch der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus, in welchen wir hineingetauft wurden,  hat einen Grundton. Für diesen Glauben haben wir bei unserer Konfirmation vor dem Altar Gottes das Bekenntnis abgelegt. Wir haben bekannt: „Ich glaube an Gott den Vater ... und an Jesus Christus ... ich glaube an den Heiligen Geist... Das ist gewisslich wahr. Amen“. Der Grundton dieses Bekenntnisses ist der, dass Gott unsern Heiland Jesus Christus am Ostertage von den Toten auferweckt hat. Und ich kann sagen, die Stimmgabel, die uns diesen Grundton angibt, ist die Bibel. Die Stimmgabel sind die Evangelien der Bibel und die neutestamentlichen Schriften, die dieses bezeugen. Die Stimmgabel ist das bezeugte, das geschriebene und das gehörte Wort von der Auferstehung.
Man muss nur gut zuhören, um den Ton, den das Bekenntnis angibt richtig zu hören und wahr zu nehmen.
Am heutigen Tag, dem Ostertag 2020, wird in der ganzen Welt dieser Glaubenston angegeben. Bereits 12 Uhr nachts begannen in der Welt Kirchenglocken zu läuten und die Menschen riefen sich zu: „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“. Lass uns deshalb auch in diesen Osterton mit einstimmen und leise mitsingen. Es klingt gleich einem Bekenntnis für Gott und Christus, und dies Lied hat viele Verse. Sie besingen alle möglichen Lebenssituationen in denen dieser Osterton wahrgenommen wird. Wir müssen nur aufmerksam zuhören und diese Erfahrungen begreifen.
Wenn aber der Dirigent beim Chorsingen den Ton angibt, dann wird darüber nicht diskutiert. Denn es ist der Basiston, auf den sich das ganze Chorstück aufbaut. Es gibt kein Gutachten, keine Expertise darüber ob dieser Grundton die richtige Höhe und Frequenz hat. Es wird nicht kritisiert ob der Ton zu hoch oder zu nieder ist, sondern es wird einfach beim Zeichen des Dirigenten gesungen. Es wird zwar vorher harmonisch gesummt, um die Tonhöhe der Stimmen richtig ins Ohr zu bekommen, aber dann wird kräftig gesungen. Das innere Ohr kennt schon die Melodie und den Rythmuns. Die akkustische Ausrichtung bewirkt nur der Dirigent mit seinem Können und mit seiner Energie. Der Text jedoch des Osterliedes ist uns bereits von unserer Konfirmation her bekannt, von dem Bekenntnis, welches wir ablegen mussten.
Auch hier können wir wieder Bezug nehmen zu unserem christlichen Glauben. Hier gibt Gott, der himmlische Vater, den Grundton des Glaubens an, er heißt: Jesus ist auferstanden ! Wir haben diesen Grundton vernommen und haben erkannt, dass dieser Glaubenston seit vielen Generationen derselbe geblieben ist. Jetzt wird von uns erwartet, dass wir alle mitsingen, dass wir am Bekenntnis festhalten und danach leben, denn das Wort Gottes, die Stimmgabel ist uns bekannt. Und auch den Glaubnsinhalt, den wir im Bekenntnis festlegten, kennen wir.
Und der Dirigent für unser Glaubensleben ist auch bekannnt. Er hat viele Tonlagen und viele Musikstücke für uns bereit. Es ist kein anderer, als unser Herrgott. Er bestimmt für uns den Rythmus, den Flux dieses irdischen Lebens. Er bestimmt auch bei der akkustischen Aufführung die Stärke der Botschaft. Er bestimmt die Stärke der Trauer, des Leides und er bestimmt den schönen Klang der Liebe, der Güte, der Freude, des Friedens. Und dieser Gott, der Herr des Himmels und der Erde, hat heute durch den Lobgesang allen Singenden und Bekennenden die ewige Seligkeit verheißen.
Doch leider stimmen wir Menschen nicht sofort in diesen wunderschönen und verheißungsvollen Lobgesang ein. Wir fangen vorher an zu untersuchen und zu erklären, und um diesen Grundton herum zu diskutieren. Wir fragen und hinterfragen die Auferstehung, obwohl wir uns dazu bekant haben. Deshalb gibt es Schwierigkeiten bei unserem Gesang. Deshalb gibt es gewollte und ungewollte Disharmonien. Denn unser irdisches Leben, das Leben in dieser Welt, ist auf einen anderen Grundton eingestimmt, als den der Osterbotschaft. Als ich vorgestern einen Freund ermahnte den Gottesdienst im Internet oder Fernsehen zu verfolgen, da antwortete er: „Was springt für mich dabei heraus ?“ Diese Antwort erstickte bei mir jeden Kommentar, ich blieb mit dem Mund offen.
Dies ist auch das Schwierige an der Osterbotschaft und das Schwere an ihrem Grundton. Denn das Bekenntnis zu diesem Grundton ist nicht erklärbar durch unsere menschliche Logik, durch unser Wissen und Verstehen. Es ist nämlich ein Bekenntnis zum Leben aus der Kraft Gottes. Die vielen Außenstehenden betrachten dieses Bekentnis als banal und enttäuschend. Es ist ihnen fremd, weil sie sich nicht angesprochen fühlen wollen. Es ist ihnen fremd, so wie uns der indische oder der chinesische Gesang fremd erscheint, oder so wie ihnen die afrikanische Musik fremd ist. Doch sobald sie näher hinhören, sobald sie sich einfühlen und in der Art und Weise des Gesanges heimisch werden, sieht auch für sie die Welt anders aus. Dann nämlich können sie in das Wunder der Auferstehung mit einstimmen, dieses im Glauben annehmen und den auferstandnen Herrn Jesus als Brücke zwischen Diesseits und Jenseits erkennen.
Denn Christus selber sprich: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes - Offenbarung 1,18. Und er sagt auch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen - Johannes 5,24. Der Apostel ermahnt uns: Das Evangelium ist eine Kraft, die da selig macht, alle die daran glauben. Römer 1,16. Solche Worte aus der Bibel sind die Tonlagen für unser Leben hier und in Ewigkeit.
Lasst uns also in diesen Gesang einstimmen, damit wir die Seligkeit erlangen. Zu diesem Gesang wünsche ich Gottes Sgene. Er ist zwar still und klingt heute einsam, doch dies ist nur ein Übergang. Denn Gott, der Herr, will unser Leben, er sprich zu uns: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Johanne 14,19. 
Damit wünsche ich euch allen Frohe Ostern, viel Frieden und Freude im Herzen, sowie ein Leben, welches den von Gott gegebenen Grundton bewahrt. Der Herr ist auferstanden ! Amen

Lied 78,1-5

Gebet:
Allmächtiger Gott und Vater, wir loben und preisen dich, dass du deinen Sohn Jesus Christus vom Tode erweckt hast. Du hast ihn siegreich aus dem Grab herausgeführt und uns zum Bürgen des ewigen Lebens gemacht. Dafür danken wir dir und bitten dich: lass auch uns in der Kraft der Auferstehung den schrecklichen Tod überwinden, damit wir in einem neuen Licht wandeln.
Gieße deinen Segen über uns alle, die wir heute Ostern halten und erfülle alle Christenheit mit neuem Leben. Lass dir befohlen sein allen Regierenden dieser Erde, dass sie für die Menschen, die ihnen anvertraut wurden, in purer Nächstenliebe sorgen. Ihre Entscheidungen sind oft schwerer als angenommen, weil sie auf der breiten Front des Lebens wirken müssen. Auch an die vielen Helfer, ob hauptamtlich oder freiwillig, denken wir. Gib ihnen Kraft und Mut für die vielen Kranken zu sorgen und segne ihre helfenden Hände. 
Wir bitten dich aber auch von Herzen: mache dieser Viruskrise, dieser Pandemie, die die ganze Welt ergriffen hat, bald ein Ende. Mache auch der Angst, die uns ergriffen hat, ein Ende. Führe bald den Tag herbei, wo wir uns wieder umarmen können, wo wir wieder arbeiten können, um füreinander zu sorgen. Wir denken auch an unsere Familien, erbarme dich der Armen und Kranken, der Notleidenden und Bekümmerten. Tröste die Sterbenden und erquicke uns alle mit der frohen Botschaft, dass der auferstandene Heiland lebt und regiert, dass er seine rettende Hand über uns hält zu Trost und Hilfe.
Herr, unser Gott, du hast uns durch deinen Sohn aus dem Tod zum leben berufen; - so wandle uns durch die Kraft der Auferstehung, dass wir, von Sünden befreit, dir leben und dich loben von jetzt an bis in Ewigkeit. Amen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen
  
Foto: Mihaela Chelu