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Hausgottesdienst am Sonntag Exaudi dem 24.05.2020

veröffentlicht um 21.05.2020, 03:05 von Christian Chelu

Hausgottesdienst  am Sonntag Exaudi dem  24.05.2020, Pfarrer Kurt Boltres


Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Lied EG. 93,1-5

Tagespsalm Nr. 27 „Gemeinschaft mit Gott“


Gebet:

Allmächtiger Gott. Du hast unsern Herrn Jesus Christus nicht im Grabe gelassen, sondern ihn zu deiner Herrlichkeit auferweckt, und zu deiner Rechten erhöht. Du hast uns auch den Heiligen Geist verheißen. Lehre uns nun, in Geduld auf unser Heil zu warten und erfülle unsere toten Herzen mit neuem Leben. Herr erbarme dich unser ! Amen

Wir lesen Gottes Wort bei Johannes 16,5-15

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin ? 6 Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 

13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.


Der Tröster ist kein Angehängsel

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Man kann eigentlich recht froh sein, dass endlich der Sommer da ist. Die Sonne lacht, auch wenn der Pfingstregen, wenn er kommen sollte, die Heuernte nass macht. Aber das Leben pulsiert endlich. Das ist wichtig. Es grünt und blüht überall, unsere Kirchen sollten eigentlich schon geschmückt sein. Nichts anderes hat man jetzt im Kopf, als raus aus dem Haus, raus ins Grüne, raus an die Luft, weg vom Kochherd, ran an den „gratar“ (Grill). Sogar die Büromenschen freuen sich auf ein solches „after work“ in der Natur. Aber noch scheint diese Zeit nicht gekommen zu sein. Corona hat ein mächtiges Wort zu sagen. Auch wenn die Notverordnungen etwas gelockert wurden, die Gefahr bleibt.

Die vielen Menschen in Jerusalem, die das Pfingstwunder erlebten, waren keine Naturschwärmer und voll des süßen Weines, wie die Apostelgeschichte es durch die Aussage der fremden Zuschauer berichtet. 

Eigentlich wissen sie nicht so recht, was mit ihnen geschieht. Ein Brausen vom Himmel lässt sich hören und ein gewaltiger Wind kommt auf. Er zieht durch alle Ritzen des Hauses. Den Menschen drinnen wird dabei angst und bange. Was sie am meisten erschreckt, ist das Erleben, dass sich Feuerzungen auf einen jeden von ihnen setzten, so wie wir das auf Heiligenbildern zu sehen bekommen. Die Menschen von Jerusalem entsetzen sich. Und noch erstaunlicher ist es, jeder spricht eine andere Sprache. Sie wundern sich sehr darüber. Doch eines vereint sie alle: - nämlich, sie reden alle von den großen Taten Gottes.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen im Alltag aus dem Häuschen sind. Kein Jubel ist zu hören. Kein Lachen ist zu vernehmen. Viel zu ernst ist unser Alltag, denn Trauer, Weinen, Klagen bestimmen unser Leben. Bedeutsam gerade jetzt in dieser wirtschaftlichen, sozialen und geistlichen Krise. Für alle diese Menschen von früher und von heute, schreibt der Evangelist Johannes diese Worte des Heilandes nieder. Es ist nicht die überschäumende Rede eines Pfingstpredigers, wie ihn manche vielleicht erwarten.  Behutsam führt Johannes seine Hörer an eine Wahrheit heran, die sie noch nicht fassen können, aber von der er zutiefst überzeugt ist. Für jeden Menschen kann es Pfingsten werden, wenn der Geist des Trostes und der Wahrheit sein Leben erfasst.

Aber die Menschen in der Gemeinde von Jerusalem sind in Panik. Doch nicht vor Freude. Sie fliehen. Es sind Juden, die in Christus den Messias erkannt haben, sogenannte Judenchristen. Sie glauben, dass sie die angekündigte Wiederkehr des Messias noch erleben werden. Darauf leben sie hin und von dieser Hoffnung zehren sie. Doch diese angekündigte Wiederkehr bleibt aus. Daher sind sie bitter enttäuscht und sie haben Angst. Sie sehen sich auch bedrängt von den Kräften in der Synagoge, welche die Anhänger der neuen, der christlichen Glaubensrichtung wieder zurückzuholen wollen. Aus Angst um ihre Familien, um ihre Verwandten, um ihre Arbeit und auch um ihr Leben fallen viele in dieser jungen Gemeinde Jerusalems vom Glauben an Christus ab. Eigentlich hat es noch keine richtige Christengemeinde zu der Zeit gegeben, sondern nur ein paar Anhänger, ein paar Bewunderer, ein paar die Jesus gehört und erlebt hatten und sich der neuen Glaubensrichtung zugezogen fühlten. Aber dennoch, die Lage ist trostlos. 

Aus diesem Grunde wollen sie vom Evangelisten warme Worte hören. Worte die Mut machen, Worte die aufrichten und Worte, die sie abhalten sollen davon, dem Heiland der Rücken zu kehren. Auch wenn der Trost hier als Mangelware erscheint und empfunden wird, so handelt hier dennoch Gott, der Herr, der uns den Tröster, den Heiligen Geist zuschickt.

Die Leut in Jerusalem sind sich bewusst, dass es jetzt um einen endgültigen Abschied gehen wird. Das macht sie zum Teil sprachlos, es macht sie verstummt, es macht sie traurig und orientierungslos. Wir haben Abschiede genügend erlebt, bei Abreisen, bei Auswanderung und bei Todesfällen. Wir haben unsere Eltern verabschiedet, unsere Kinder verabschiedet und auch unsere Ehen. Und jedes Mal dominierte die Frage: wie wird es weiter gehen ?

Aber Jesus hinterlässt keine Erinnerung, die mit der Zeit verblasst oder in Vergessenheit gerät, er kündet den Tröster an, den Heiligen Geist als Lebenshilfe. Dieser Geist des Trostes ist eine anderer, als Jesus. Dieser wird uns allen geschenkt. Dieser Geist der Wahrheit wird uns alle vor der Welt vertreten und es wird gut sein ! Dieser Tröster ist auf keinen Fall ein Ersatz für Jesus, er ist Gott selber, denn er geht von beiden aus, vom Vater und vom Sohn. Seine Aufgabe ist es der Welt die Augen zu öffnen über die Sünde, die Gerechtigkeit und das Gericht. Er ist der Geist der Wahrheit, der aufdeckt und ins rechte Licht rückt, was in der Welt verkehrt und verzerrt ist. 

Der Tröster von dem hier die Rede ist, ist auf keinen Fall ein Angehängsel, so wie wir die vielen Heiligen der orthodoxen Kirche als solches empfinden, wenn sie überaus verehrt werden. Das sieht man auch im orthodoxen Kirchenkalender, beinahe alle Tage in roter Schrift gezeichnet, „e sarbatoare“ – heißt  es dann und alle Arbeit bleibt liegen.  Er, der Tröster, ist auch keine Gabe Gottes, wenn gesagt wird: der Heilige Geist wird uns gegeben, wir empfangen ihn als den von Gott gesandten, der uns bewegt, der uns ermutigt, der uns befreit und der in uns Glauben und Hoffnung bewirkt. Er ist deshalb nicht eine Gabe oder Begabung, wie solche uns helfen können, uns durch Leben zu schlagen.

Auch ist der Heilige Geist für uns keine Lebenshilfe um besser oder bequemer leben zu können, wie etwa die elektrische Energie, mit deren Hilfe wir Licht machen, oder bügeln können, oder waschen können, kochen – heizen – Radio TV hören – und Maschinen in der Fabrik betreiben können. Der Heilige Geist ist auch nicht die Erkenntnis über solche Hilfsmittel fürs irdische Leben. Er ist jedoch eine große Hilfe für die Seele, für den Glauben und für das Heil. 

Wenn wir schon den elektrischen Strom erwähnt haben, so können wir ihn als weiteres Beispiel für die Wirkung des Heiligen Geistes benutzen. Die Elektrizität, das haben wir in der Schule gelernt, ist eine verborgene Kraft. Sie hat auch eine große Kraft, die man nicht unbedingt versuchen dürfte. Wer von uns hat schon die Courage zwei Stromkabel unterschiedlicher Polung in die Hand zu nehmen. Der das tut, der hat die Wirkung verkannt und stirbt. Und dennoch bewirkt die Kraft des elektrischen Stromes sehr viel in der Industrie, im Verkehr und im Haushalt. Motoren werden damit betrieben und Geräte funktionieren. Und über elektromagnetische Wellen geht alle Kommunikation der modernen Welt. Aber auch diese elektrische Energie ist gebunden an einen  Kabel oder eine Wellenlänge, damit sie in Verbindung kommt, damit eines mit dem anderen verbunden wird.

Genau so braucht auch der Heilige Geist, als die besondere Kraft Gottes den Draht und die Wellenlänge um sein Ziel zu erreichen. Er stellt die Verbindung her zwischen Christus, wie er es auch gesagt hat, und den Menschen. Denn  nur dann kann der Heilige Geist wirksam werden, wenn beide Enden miteinander verbunden werden, wenn er Verbindung, Vermittler, Mittler ist, und als solcher geglaubt wird. Dann bewirkt diese Kraft Gottes die Erkenntnis über Sünder, Gerechtigkeit und Gericht. Dann bewirkt diese Kraft Glaubensstärke, Erlösung, Hoffnung, Heil und ewiges Leben. Er wirkt manchmal wie ein Scheinwerfer, der alles Lebensfähige aus dem Dunkel ans Licht bringt.

Der Heilige Geist ist also Lebensnotwendig für uns, nicht etwa als Erkenntnis über das nahrhafte Gemüse, oder die schadhafte Bakterie die auf den Gurken sitzt, oder der Teufelsvirus der jetzt unser Leben bedroht. Denn diese Erkenntnisse eignen wir uns durch Wissen und Forschung an, - die sind für unsere Ernährung wichtig und die Ernährung wiederum für Herz und Seele. Aber die geistlichen Güter, die unsere Psyche und unsere Seele aufrichten, die kommen von Gott durch den Heiligen Geist. So auch der Trost, der keine Vertröstung ist.

Das betont auch Jesus Christus im Evangelium- ich wünsche euch allen, als Anregung zu den kommenden Pfingsten diesen Geist, in welchem Trost, Wahrheit, Erkenntnis, Frieden, Liebe, Gnade und Hoffnung zu finden sind,  der uns für ewig an den auferstandenen Christus bindet. Amen



Lied: 95,1-4

Fürbittgebet


Wir bitten dich, Gott, um den Geist der Heiligkeit für alle, denen nichts mehr heilig ist; für alle, die sich für nichts mehr begeistern können: Komm, Heiliger Geist. 

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist der Freude für alle, die ihre Freude am Leben verloren haben; für alle, denen das Lachen vergangen ist; für alle, die sich ihres Lebens von Herzen freuen dürfen: Komm, Heiliger Geist. 

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Verstehens für alle, die sich unverstanden fühlen; für alle, die für andere kein Verständnis mehr aufbringen können: Komm, Heiliger Geist. 

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Trostes, für alle, die etwas zu verlieren haben; für alle, die einen Menschen verloren haben: Komm, Heiliger Geist. 

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Friedens für alle, denen Macht wichtiger ist als das Leben; für alle, die unter Gewalt und Krieg leiden: Komm, Heiliger Geist. 

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, für die vielen Helfer im  medizinischen Bereich, die sich den Gefahren der Ansteckung aussetzen, um dieser Pandemie Herr zu werden. Schenke ihnen den Heiligen Geist, der allen Situationen gewachsen ist.

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Wir bitten dich, Gott, um den Geist in unserer Mitte für alle, die in deinem Namen leben und handeln; für alle, die von einer versöhnten, geschwisterlichen weltweiten Kirche träumen: Komm, Heiliger Geist. 

Alle: Komm, Heiliger Geist.

Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen


Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen


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