Predigten‎ > ‎

Hausgottesdienst am Sonntag Jubilate 03.05.2020

veröffentlicht um 02.05.2020, 08:34 von Christian Chelu

Hausgottesdienst  am Sonntag Jubilate 03.05.2020, Pfarrer Kurt Boltres


Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Lied EG. 254,1-4


Tagespsalm Nr. 148 „Gottes Lob im Himmel und auf Erden“


Gebet:

Allmächtiger Gott. Du hast unsern Herrn Jesus Christus vom Tode erweckt uns gibst der Welt in ihm das neue Leben. Du hast ihn auch uns zum  Weinstock gesetzt, an dem wir Frucht bringen sollen. Wir klagen dir unsere Schuld, unsere Not und alles, was uns von ihm trennen will. Lass uns an ihm bleiben. Herr erbarme dich unser ! Amen

Wir lesen das Predigtwort des heutigen Tages bei Johannes 15,1-8


Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.


Unser Ziel – gute Früchte

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Leider ist in der Welt nicht alles Gold, was glänzt. So hat auch der natürliche Weinstock seine Gegner. Einer der härtesten Gegner, welchen Europa im gesamten Weinbau erlebt hat, war die Reblaus. In der Mitte des 19. Jh. wurde die Reblaus von Amerika her mit amerikanischen Weinsorten eingeschleppt. Es war eine Reblausart, die im Besonderen die Wurzeln des Weinstockes befiel und zerstörte. Besonders hart traf es damals Frankreich. Doch auch in Siebenbürgen richtete diese Reblaus erst um das Jahr 1903 großen Schaden an. Viele Weinbauern aus dem Altland bei Schässburg-Mediasch-Karlsburg, also an der großen-kleinen Kokel entlang verarmten plötzlich und waren der Hungesnot sehr nahe. Damals wanderten viele Burschen und Familienväter nach Amerika aus. Einige kamen zurück, andere blieben dort und gründeten die amerikanisch-sächsische Gemeinschaft.

Mit Chemikalien konte man diesem Schädling nicht ankommen. Heilung in dieser Krise brachten schließlich amerikanische Wurzelstöcke, die gegen den Schädling resistent waren. Auf sie veredelt man seither alle europäischen Sorten. Und die Reblaus kann nicht mehr so großen Schaden anrichten. Jesus Christus hat diesen Schädling nicht gekannt, sonst hätte er auf diesen Schädling hin auch ein Gleichnis gesprochen.

"Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben!" erinnert uns Jesus heute im Predigttext. Die Reben und die Weinranken, damit sind wir gemeint, die Gemeinde - die Kirche. Jesus, dafür ist der knorrige Weinstock. Weinstock und Reben sehen zwar vielleicht völlig unterschiedlich aus, aber im Endeffekt sind sie ein und dieselbe Pflanze ! Die Reben sind nichts Fremdes, nicht draufgepflanzt, wie ein roter Kaktus von einem geschickten Gärtner auf eine grüne Unterlage gesetzt wird. Der Weinstock und die Rebe ist ein und das selbe.  Doch der Weinstock ist dick, faserig, holzig, knorrig und vielleicht auch schon uralt - und die Reben dagegen sind lang, dünn und biegsam und mit Ranken versehen, die sogar andere Reben abwürgen können.  Sie haben aber Blätter und Blüten und tragen Früchte und sind doch im Verhältnis zum Weinstock eine nagelneue Sache. Dennoch, Weinstock und Rebe sind eins. Nicht voneinander zu trennen, denn sie leben vom selben Wasser, Licht, Luft und der bedachten Pflege des Winzers.

Also geht es gar nicht anders für den Menschen, als am Weinstock zu bleiben, um dasselbe Wasser, dieselben Nährstoffe, dasselbe Licht, dieselbe Luft und dieselbe Pflege zu genießen. Und dennoch gibt es Dinge, die das nicht zulassen wollen.

Auch dem Weinstock, also der christlichen Kirche, wird heute kritisch die ein oder andere Krankheit zugeschrieben: 1) allgemeiner Kümmerwuchs bei schwindender Substanz, bei abnehmender Hörerzahl, 2) mageres oder ungenießbares Fruchten durch umweltbedingte Dinge, 3) Saft- und Kraftlosigkeit in der Verkündigung des Gotteswortes, eine schwindende Verwurzelung innerhalb der modernen Gesellschaft mit anderen Geistes-wissenschaften usw. ... um nur einige davon zu nennen. Es wird gerade in wirtschaftlich, schwierigen Zeiten immer wieder darüber nachgedacht, wo etwas an diesem Gemeinschaftswesen zu beschneiden wäre und wie solche nutzlose Mitesser, wie Parasiten + Rebläuse also, zu entfernen wären. Und natürlich gibt es auch die Idee, die Kirche gegebenenfalls auf bessere Wurzelstöcke zu veredeln, z.B. auf die amerikanische Sorte von aggressiver Sekten wie „Willow Creek“ (kirchlicher Weideplatz) oder die bereits weit verbreitete Sorte „McKinsey“, die Menschen leiten und beraten wollen, oder die Zeugen Jehovas, die Scientology und andere. Auch wird dem gesamten Weinberg, der Kirche „Fundraising“ verordnet, also Geldquellen suchen - siehe Gleichnis vom Schatz im Acker (Matthäus 13/44), wo es um etwas ganz anderes geht. Offensichtlich handelt es sich hier um den Versuch einer grundlegenden Bodenverbesserung für den Weinberg der Kirche.

Wir wollen all die ernannten und selbsternannten Pflanzendoktoren und Weinbauexperten in der Kirche nicht entmutigen – müssen aber feststellen, dass Rebläuse und andere Krankheiten in unserem Gleichnis überhaupt keine Rolle spielen. Sie kommen gar nicht vor. Auch stellen wir fest, dass in dem Weinberg, den Jesus uns vor Augen hält, nur ein einziger Weinbauer am Werk ist: nämlich Gott selbst. Schließlich muss die Kirche auch noch die Aussage hinnehmen, dass sie gar nicht der Weinstock ist, sondern nur die Reben. Christus ist der Weinstock und die Kirche hängt sozusagen nur an ihm, oder sie fällt ab, verdorrt und taugt nur noch zum Verheizen. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun, - sagt Jesus. Das können aktive Kirchenmitglieder, die wir hoffentlich alle sind, wirklich schwer hören.

Aber in jeder zum Teil auch kränkenden Aussage, die ein Wort der Bibel für uns auf den ersten Blick bereithält, steckt etwas Heilsames. Oder ist das nicht entlastend, wenn Jesus uns den Platz als Rebe und Traube zuweist, um die sich Gott der Weingärtner kümmert ? Denn dem Weinbauern geht es ja nicht um das unbrauchbare Rebenholz, sondern er will viele Früchte ernten. Er geht achtsam mit uns um; beschneidet den ein oder anderen Wildwuchs, bindet an und nimmt auch einmal etwas weg, an dem wir hängen. Das mag schmerzhaft sein, aber der Weingärtner weiß darum, um das gute Ziel. 

Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe, - sagt Jesus und nimmt seinen Jüngern die Angst weg, der Weingärtner könnte gleich zum Spaten oder zur Axt greifen. Denn wer am Weinstock Christus wächst hat für immer eine Zukunft. Denn in Ewigkeit wird Gott diesen Weinstock nicht verwerfen. Deshalb ist dies auch ein österlicher Text. Deshalb gehört er zum Sonntag Jubilate: Wir dürfen ganz zu dem gehören, der an Ostern die Mauern des Todes für immer eingerissen hat. Wir dürfen jubeln und uns freuen. Der Herr ist auferstanden.

Es mag hier nun seltsam klingen, dass Jesus Christus uns zum Bleiben auffordert. Einer Rebe am Weinstock muss solches ja nicht extra gesagt werden. Für sie ist es eine „unmögliche Möglichkeit“ sich vom Weinstock zu trennen. Aber Jesus weiß, was für Menschen wir sind, und dass uns „unmögliche Möglichkeiten“ immer wieder in den Sinn kommen. Besonders der aufgeklärte und moderne Mensch hat ein Talent, auch die Äste abzusägen, auf denen er sitzt. Er bedroht die Ökosysteme, von denen er lebt, er vergiftet die Luft, die er einatmet, er verbraucht die Schätze der Erde, als gäbe es kein Morgen, er vergisst seine Grenzen und dass ihm einer sagen muss, was gut ist und dem Frieden dient. Und deshalb muss die christliche Kirche wissen: Den Saft, den der Mensch braucht, um zu blühen und Frucht zu tragen, kann er sich nicht selbst herstellen. Er ist wie die Rebe auf den Weinstock angewiesen. Wir alle kennen genug Beispiele, was passiert wenn Menschen von allen guten Säften, oder sagen wir besser, von allen guten Geistern verlassen sind. Man muss nur einmal am Nachmittag das Privatfernsehen einschalten, und auf die vielen Korruptionsberichte hören.

Prüfen wir unser Tun darauf hin, ob wir im Herzen davon berührt sind, als wahre Christen Frucht zu bringen, die den Vater verherrlicht: Hört das folgende Beispiel !

Als man das Münster zu Freiburg baute, fragte man drei Steinmetzen nach ihrer Arbeit. 

Der eine saß und haute Quader zurecht für die Mauern der Wand. "Was machst du da ?" "Ich haue Steine." Ein anderer mühte sich um das Rund einer kleinen Säule für das Blendwerk der Tür. "Was machst du da?" "Ich verdiene Geld für meine Familie."  Ein dritter bückte sich über das Ornament einer Kreuzblume für den Fensterbogen, mit dem Meißel vorsichtig tastend. "Was machst du da?" "Ich baue am Dom."

Erst in der dritten Antwort spürt man etwas von dem Sinn der Arbeit, vom sinnhaften Tun dieses Handwerkers. Und obwohl die anderen beiden Handwerker auch richtig und ehrlich geantwortet haben, so ist doch ihr Denken enger, wenn wir es so wollen: mehr auf sich bezogen und nicht auf die Verherrlichung Gottes in seinem Tun.

Sind wir nun die Reben des christlichen Weistockes, so sollen wir uns daraufhin ausrichten, in all unserem Tun eine würdige Frucht zu schaffen, die in dankbarer Weise Gott lobt und preist. Das will uns Jesus Christus durch dieses Gleichnis vermitteln. Lasst uns also am Dom unserer Kirche mitbauen und gute Früchte tragen. Lasst uns nicht abgehalten werden von einer Corona-Krise, die zwar Angst verbreitet, aber uns nicht vom Weinstock Christi trennen kann. Denn er nimmt auch diese Angst von uns, wenn wir treu zu ihm halten in Glauben, Zuversicht und Hoffnung. Denn nichts kann uns von ihm trennen. Amen


Lied EG: 271,1-4

Gebet

Ehre und Preis sei dir, allmächtiger Gott und Vater. Du hast und durch deinen Sohn Jesus Christus den Zugang zum wahren Leben geöffnet und durch die Auferstehung der ganzen Welt das Heil gebracht. Du willst, dass wir an ihm gebunden bleiben und Frucht bringen, wie die Reben am Weinstock. So reinige du uns von allem, was uns von ihm trenne nkann. Stärke uns mit der gewissheit, dass du uns mit der gesamten Schöpfung vollenden wirst in deinem reich. Dort werden wir vereint mit allen Völkern der Erde dich ewig loben und preisen.

Wir bitten dich für die ganze Christenheit, dass sie das Wort von der Auferstehung aufmerksam hört und dass bald ihre Spaltungen überwunden werden. Stärke die Verantwortlichen in dieser Welt mit Glaubensmut, damit sie gute Vorbilder für die nächsten Generationen werden. Gib Frieden unsern Gemeindegliedern und schenke neues Leben in unseren Kreisen. Erbarme dich der Armen und Kranken, der Notleidenden und der Bekümmerten, wie auch aller, die schwere Lasten zu tragen haben. Nimm von uns alle Ängste des Lebens, selbst die Angst dieser Coronazeit. Stärke Ärzte und Helfer in ihrem Dienst. Lasst uns die Heilung an Leib und Seele erfahren, da wir von ganzem Herzen am Weinstock Christi bleiben wollen, worin wir das wahre Leben erkennen. Gibt Zuversicht und Hoffnung, und stärke unsern Glauben.

In der Stille nennen wir die Namen derer, die uns am Herzen liegen, in der Nähe, wie in der Fremde....

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke und das Grundmuster unseres Leben. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen


Comments