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Hausgottesdienst am Sonntag Kantate

veröffentlicht um 09.05.2020, 07:42 von Christian Chelu

Hausgottesdienst  am Sonntag Kantate 10.05.2020, Pfarrer Kurt Boltres


Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Lied EG. 208,1-4


Tagespsalm Nr. 149 „Zion lobe den Herrn“

Gebet:

Allmächtiger Gott. Du hast unsern Herrn Jesus Christus nicht im Grabe gelassen, sondern ihn zu deiner Herrlichkeit auferweckt. Aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes rufen wir zu dir: Schenke uns durch deinen lieben Sohn das neue Leben. Lass uns durch dein Wort deine Absicht mit uns erkennen. Herr erbarme dich unser ! Amen

Wir lesen das Predigtwort bei Jesaja 12,1-6


Zu der Zeit wirst du sagen:

Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.

Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen ! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist ! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen ! Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir !


Ein Dank für hartes Eingreifen

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

Ein Klassenkamerad, bis zur 8. Klasse, hieß Peti. Er war sonst ein gewissenhafter Schüler und kam stets mit gemachten Hausaufgaben in die Schule. Und trotzdem hatte er keine Freunde, vielleicht weil er sich oft so merkwürdig verhielt und auch immer bei Prügeleien mit dabei war. Eines Tages, das war kurz nach einem Elternabend, stellte sich unser Lehrer vor ihn und sagte mit bestimmenden Ton: „Setzt deine Brille auf !“ – „Ich hab keine“, war die Antwort. Der Lehrer nahm darauf die Schultasche und leerte auf die Bank, nahm die Brille aus dem eisernen Etui und gab sie Peti. Der setzte sie auf. Daselbe wiederholte sich am 2. Tag und am 3. Tag. Am 4. Tag wühlte der Lehrer erneut in der Schultasche und gab die Brille zum Aufsetzen. Doch diesmal stemmte sich Peti hoch und sagte laut: NEIN !!! Dieses Nein war etwas, was uns den Atem stocken ließ. Das hatte es noch nie in  der Klasse gegeben. Und ich sehe ihn noch vor mir, den Lehrer, wie seine Schlagadern anschwollen, wie sich das Gesicht rötete, wie er explodierte und sich auf unsern Peti entlud. Ohrfeigen flogen von links und rechts, es klatschte laut. Der arme Peti jammerte und in dem Gemenge fiel die Brille plötzlich auf den Boden. Der Lehrer hielt inne, bückte sich, hob vorsichtig die Brille auf und legte sie neben Joki auf die Bank. Erschocken saß dieser da bis am Ende des Schultages. Und seit diesem Vorfall trug Peti täglich ohne Widerrede seine Brille, sogar zuhause und auch beim Spielen. Heute ist Peti Familienvater und ein gesetzter Mann, der aber jetzt keine Brille tragen muss, weil sich seine Augen korrigiert haben.

Warum erzähle ich diesen Vorfall ?

Weil von dem Tage an der Lehrer auch für mich ein anderer geworden war. Sein Zornesausbruch hatte Folgen. Der Respekt dem Lehrer gegenüber war von nun an von Angst begleitet. Und bei Peti war es ebenso. Trutzen, Scham und Mitleid mischten sich, dabei wollte man bei ihm ja nur das Gute, für ihn, für seine Augen und für seine Zukunft.

Beim Lesen unserer Predigtstelle aus dem Jesajabuch werden wir auch in widersprüchliche Gefühle versetzt. Die politische Situation des Königreiches Israel brachte das mit sich. Einerseits florierende Städte – andererseits zunehmende Armut, dann soziale Revolten und Unruhen. Bedrohliche Nachbarn tauchten auf und die politischen Führer müssen handeln. 

Etliche Propheten, darunter auch Jesaja, ermahnen die politische Elite zur Zurückhaltung und zu mehr Gottvertrauen. Doch ihr Rat ist nicht gefragt, weder in der Innenpolitik noch in  der Außenpolitik. Es beginnt eine lange Kette von schrecklichen Ereignissen: Krieg, Niederlage, Deportation, Exil und die Auflösung des Königreiches Israel.

Erst viel später sind diese Ereignisse und Mahnreden in einem Buch zusammengefügt worden. Heute lesen wir dieses Buch und entdecken, dass trotz allerlei Trübsale Gott, der Herr, sich immer wieder um seine Glaubenskinder sorgt. Er ruft sie zur Vernunft, wofür sie dankbar sind und Psalmen singen.

Auch uns heute fällt es schwer dankbar zu sein und zu singen. Es fällt uns deshalb schwer, weil wir von einer unsichtbaren Gefahr getroffen wurden und wir das oft widersprüchliche Handeln der Behörden nicht verstehen können. Es soll zu unserem Wohl sein, diese soziale Isolation. Doch wir vereinsamen dadurch nur. Dankbar in unserer Isolation zu sein, das könnten wir noch annehmen. Doch alleine zu singen, wo wir gewohnt waren miteinander in dem Gottesdienst dieses zu tun, das fällt uns schwer.

So fällt es uns schwer am Sonntag Kantate, dem Sonntag des Gesanges, dankbar zu sein und zu lobsingen. Das Schicksal unseres Volkes hat es auch an sich. In einer kurzen Rückschau sehen wir ebenfalls, wie vorhin erwähnt, Krieg, Deportation, Enteignung, Auswanderung und Zerstreuung. Wir sehen die Strafe für ein Vergehen, aber welches ? Wir fühlen einen bitteren Nachgeschmack von Zorn und reden von uns aus, über: - Schmerzen, Erfahrungen, Demütigungen, Ohnmacht, Begrenzung ... wir reden auch von Wut, von Scham und Angst.

Gott spielt nämlich die Hauptrolle in unserem Leben. Es gibt wohl keine Situation des Alltages, wo nicht Bezug im Unterbewusstsein auf Gott genommen wird, auch wenn wir dies nicht ausdrücklich betonen. Wir reden auch oft von ihm so, als wäre er einer von uns, als wäre er irdischer Natur. So hat es auch der Prophet Jesaja dargestellt, indem er das Bild vom Kinde anbringt. Das Kind, welches nicht auf den elterlichen Rat hören will und seinen eigenen Weg geht. Auch das politische Israel macht, was es will. Alle Mahnungen und Ratschläge aus dem Munde der Propheten bleiben ungehört. Wer nicht hören will, muss fühlen. Ein menschliches Bild wird uns von Gott gezeigt, weil Gott seine Kinder liebt und seinem Volk treu bleibt. Er ermahnt seine Kinder auch, damit sie selbstständig werden und lässt sie die Hand des Stärkeren spüren. Aber Gott leidet auch sein Volk unter seiner Entscheidung und er bereut sein Urteil oft. Er tröstet das Volk im Leiden und im Schmerz.

Ich denke meinem Lehrer erging es ähnlich. Er war nämlich ein guter Lehrer und hat unter seinem Ausbruch vor der Klasse sicherlich gelitten. Er wollte ja nur das Gute, musste es jedoch mit harter Hand erzwingen. Dadurch hatte sich aber das Verhältnis zueinander geändert. Heute ist mein Schulfreund dafür dankbar, denn seine Augen haben sich nicht verschlechtert, sondern korrigiert. Die konsequente und strenge Haltung des Lehrers hat dieses vermocht und mein Schulfreund hat auch längst den Groll gegen seinen Lehrer vergessen.

Sollten wir heute nicht auch dankbar sein und Gott, dem Herrn, ein Loblied singen. Er führt uns mit starker Hand durch dieses Leben. Er lenkt das ganze Weltgefüge und weiß von den Grenzen und Gefahren, noch bevor wir sie erkennen. Auch wenn wir zur äußersten Leistung gefordert werden und drohen zusammen zu brechen, so hilft er uns wieder und wieder die Last des Lebens zu tragen und zu ertragen. Er bleibt unser Herr, wie Psalm 23 es betont, - darum Lobet und preiset ihr Völker dem Herrn. Er, der Herr, weiß von den Grenzen und Gefahren, noch bevor wir sie erkennen. 

Am heutigen Sonntag wollen wir auch an unsere Mütter denken, denen in unserer Kirche immer der zweite Sonntag im Mai gewidmet war. Wir feiern den Muttertag diesmal zuhause und alleine in der Familie. Es fehlt uns dabei, das kleine Blumensträußchen, welches von den Kindern vor dem Gottesdienst verteilt wurde. Es fehlt uns der Chorgesang und die Verse der Kinder, die vorgetragen wurden. Es fehlt uns die Nähe zueinander und die Wärme eines wohlgemeinten Händedruckes. Es fehlt uns der dankbare Frohsinn, der an diesem Tag dominierte, trotz Trauer, Schmerz und Verlust in manchem Haus über eine verlorene Mutter. Die Situation ist nun mal eine andere, als normal.

Gott, der Herr, weiß jedoch darüber bescheid. Mit Sicherheit hat die Mutter meines Schulfreundes wegen dessen Augenschwäche bei Gott im Gebet angeklopft. Dem trotzigen Schulfreund war eben nur durch das harte Eingreifen des Lehrers zu helfen, als diesem das Problem beim  Elternabend bekannt gemacht wurde. Es war natürlich ein Schock für diesen, doch es hat geholfen. Und bei vielen Kindern hilft so ein hartes Eingreifen. Deshalb sollen wir unsern Müttern, unsern Lehrern und auch unserm Herrgott nicht vorenthalten, das Gute für uns erzwungen zu haben, mit welchen Mitteln auch immer.

Wir sollen sie lieber in unser Leben dankbar einbinden und an diesem Sontag ihnen ein Loblied singen. Denn so wie eine Mutter über ihrem Kind wacht und es beschützt, so tut es auch Gott. Aus diesem Grunde gebührt ihnen heute eine hohe Ehre, an welcher wir alle mit Segen teilhaben möchten. Amen


Lied EG: 260,1-7


Gebet

Ehre und Preis sei dir, allmächtiger Gott und Vater. Du hast deinen Sohn Jesus Christus von den Toten herausgeführt und das Heil gegeben. In seiner Obhut sind wir vor Feinden geschützt, der Sünde erlöst und mit guten Gaben beschenkt. Gib, dass uns nichts aus seiner Hand reiße und wir ihm, als unsern wahren Vorbild Tag und Nacht folgen, bis wir vollendet sein werden in deinem Reich. Dort werden wir vereint sein mit allen Völkern der Erde und dich ewig loben und preisen.

Wir bitten dich für die ganze Christenheit, dass sie das Wort von der Auferstehung aufmerksam hört und dass bald ihre Spaltungen überwunden werden. Stärke die Verantwortlichen in dieser Welt mit Glaubensmut. Gib Frieden unsern Gemeindegliedern und schenke neues Leben in unseren Kreisen. Erbarme dich der Armen und Kranken, der Notleidenden und der Bekümmerten, wie auch aller, die schwere Lasten zu tragen haben. Wir denken an unser Mütter, an unsere Kinder und an alle, die uns lieb sind in der Nähe und in der Ferne. Beschütze sie nach deiner großen Güte. Stärke Ärzte und Helfer in ihrer Arbeit zum Wohle der Menschheit und gibt ein gutes Gelingen in der Erforschung dieser unsichtbaren Krankheit.

Lass bald ein Ende haben mit dieser schweren Zeit, mit all den Notverordnungen und falschen Informationen, die uns in unserer Einsamkeit grämen. Gib uns Geduld und Ruhe für unsere Herzen und Seelen und lass uns mitten im Lob in dankbarer Stille harren, dessen, was da kommt.

In der Stille nennen wir die Namen derer, die uns am Herzen liegen, in der Nähe, wie in der Fremde....

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke und der Urgrund unseres Leben. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen




Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen


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