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Hausgottesdienst am Sonntag Misericordias Domini 26.04.2020

veröffentlicht um 23.04.2020, 10:44 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 23.04.2020, 10:44 ]
Hausgottesdienst am Sonntag Misericordias Domini 26.04.2020, Pfarrer Kurt Boltres

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied EG. 198,1-5

Tagespsalm Nr. 136 „Gottes Wunder in seiner Schöpfung und in der geschichte seines Volkes“

Gebet:
Allmächtiger Gott. Du hast unsern Herrn Jesus Christus nicht im Grabe gelassen, sondern ihn zu deiner Herrlichkeit auferweckt. Aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes rufen wir zu dir: Schenke uns durch deinen lieben Sohn das neue Leben. Herr erbarme dich unser ! Amen
Wir lesen das Predigtwort des heutigen Tages bei 1.Petrus 2,21-25

21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; 
22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 
23 der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; 
24 der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 
25 Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Das wahrhaftige Vorbild
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,
Wir gehen heute zurück auf das Jahr 80 n.Chr. In diesem Jahr ist vermutlich dieser Brief von einem Bischof aus Kleinasien geschrieben worden. An wen dieser Brief geschrieben worden  ist, das ist uns unbekannt. Der Bischof aus Kleinasien hatte in der schweren Zeit nach der ersten grausamen Christenverfolgung, durch Kaiser NERO (56-68), die nötige Autorität erneut auf Jesus Christus, den Heiland und Hirten der Seelen, hinzuweisen. Die Zeit, wo die Christen als Freiwild gejagt wurden, hatte sich scheinbar etwas gelockert. Die Zahl der Christen war aber trotz dieser grausamen Vernichtungsaktion gestiegen. Und diesen anwachsenden Christengemeinschaften reichte das Bekenntnis und der Lobpreis an Christus nicht mehr, sie brauchten etwas greifbares, etwas sichtbares, etwas haltbares ... sie brauchten Vorbilder.
So ist es mit uns Menschen. Wir brauchen Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Denn ohne Vorbilder können wir nicht leben. Sie müssen uns nicht unbedingt bewusst prägen, indem wir ihre Lebensweise nachahmen. Sie fügen sich auch unbewusst in unsere Seele ein und bestimmen unser Denken, unser Urteilen und Handeln. Selbst wenn in den meisten Fällen die eigenen Eltern oder einer der nächsten Bekannten zum Vorbild gewählt werden, so sind diese Vorbilder nicht aus unseren Kreisen wegzudenken. Jeder von uns kann ruhig zugeben ein solches Vorbild gehabt zu haben. 
Mein Vorbild war ein gütiger und telentierter Lehrer, der sich durch seine bescheidene Art, seinen Gaben und Begabungen, zur Formung seiner Schüler einsetzte. Das ist ihm auch in vielen Fällen gelungen, denn gerne erinnern sich meine Generationen an seine lehrreiche Tätigkeit, an seine Klassenstunden und an seine außerschulischen Ausflüge.
Leider haben wir auch eine Zeit erlebt, wo uns Vorbilder aufgezwungen wurden. Durch die Propaganda der Nazizeit und auch durch die intensive Gegenpropaganda der kommunistischen Ära wurden uns Vorbilder aufgezwungen, die der Ideologie dienten. Es waren jedoch Vorbilder, die uns nur Unglück brachten. Es waren Vorbilder, die einem Rechtssystem dienten, aber kein  wahres Fundament hatten. Ich kann nicht vergessen, dass wir in der Schule gezwungen wurden, Gh. Gh. Dej und alle 12 Minister, die in der Klasse in Bildern an der Wand hingen, mit Namen auswendig zu lernen. Manch andere Vorbilder erreichten eine geistige Höhe, aber ihre Ansichten und Erkenntnisse brachten dem Volk nur Not und Elend, ich denke da an die gehassten Marx, Engels und Lenin, die beim Defilieren als „plancarte“ hoch gehalten werden mussten. 
Ich kann aber auch sagen, dass uns in der Schule andere Vorbilder angeboten wurden, die ein hohes Geistiges Niveau erreicht haben und auf Weltebene hoch geschätzt wurden. Z.B. J.W.Goethe, Fr.Schiller, L.v.Bethoven, I.Kant, H. Oberth usw. Doch die Nähe solcher Genies zu erreichen, ist uns nicht gegeben.
Die Daueraufgabe einer jeden Generation ist es Vorbilder für die nachfolgenden Generationen zu schaffen, so habe ich das am Studium mitbekommen. Doch in der Grundschule klang es anders. Ich durfte nicht auf ein Vorbild meines Großvaters zurückgreifen, denn er war ein „ghiabur“, er hatte Arbeitskräfte aus der Braner Gegend für die Erntearbeit eingestellt und diese „ausgebeutet“. Auch einen Großonkel durfte ich nicht als Vorbild nehmen, denn war Eigentümer einer Schuhfabrik in Bukarest gewesen und hatte seine Arbeiter „ausgebeutet“, weswegen er an den Kanal deportiert wurde. Ein anderer Onkel war Chemiefachmann bei den Ölfeldern von Moreni-Breaza, von den Amerikanern angestellt und ebenfalls zum Ausbeuter gestempelt worden, er starb in Russland in der Deportation usw. Nicht einmal als Bezugsperson durfte ich diese erwähnen. Dabei hatten sie keiner Fliege etwas zu Leide getan, geschweige denn jemanden ausgebeutet. Daher hatte ich „origine nesanatoasa“ und die Chancen für andere Studienfächer waren verringert worden.
Die Nachkommen brauchen Vorbilder, auch wenn sie diese heute nicht mehr aus den eigenen Reihen suchen, sondern aus Filmen oder aus dem Internet holen. Die junge Generation braucht solche Vorbilder, die ihr nicht aufgezwungen werden, indem man ihr sagt: IHR sollt nicht so sein, denn  durch sie ist das und das geschehen.
In großer Sorge um ein wertvolles Vorbild für die nachfolgende Generation, stand auch der Bischof Petrus aus Kleinasien. Er stand in der Sorge um eine sinnvolle Orientierung für die Gemeinde, als er diesen Hirtenbrief schrieb. Was für Vorbilder aus der Reihe der weltlichen Bürger konnte er denn bieten ? Die Römer, die sich ihre Gsetze nach eigenen Vorteilen schafften, und ihre Macht auf die Söldner und Sklaven stützten ? Auch in den eigenen Reihen waren keine Vorbilder zu finden. Lauter gedrückte, vergrämte und versklavte Individuen, die in einem menschenunwürdigen Dasein standen. Ohne Hoffnung standen die ersten Christen da und waren auf Leben und Tod den Launen ihrer Herrscher ausgeliefert. Sie durften sich nicht wehren, wenn sogar ihre noch ungetauften Kinder verkauft wurden. Sie durften sich nicht wehren, wenn ihr Leben für die Herren unbrauchbar geworden war und diese ihnen frei werden wollten. Sie durften sich nicht verteidigen, wenn sie ohne Grund geschlagen oder misshandelt wurden. Sie waren auf ewig verurteilt Schmerzen zu ertragen, Leiden und Not zu erdulden; als Sklaven und auch als freie Bürger zweiter Klasse.
Für diese geplagten Menschen schrieb der Bischof Petrus diesen Hirtenbrief, um ihre Seelen zu stärken, um ihnen Hoffnung fürs Leben zu geben. Der Bischof Petrus bietet in seinem Brief ein Verhaltensmuster an, das zwar Leiden nicht lindert, welches aber durch das Vorbild des leidenden Christus geprät ist. Deshalb werden hier auch die Fußspuren Crhsiti erwähnt, um sich an ihnen zu orientieren.
Viele Weltpolitiker haben sich an Christus orientiert und viele Kirchenleute haben die Nachfolge in christlicher Art ernst genommen und damit ein würdiges und demutvolles Leben geführt. 
Von dem Mitropoliten Andrei Saguna, den die siebenbürgisch-orthodoxe Kirche sehr hoch schätzt wird erzählt, dass ihn einmal ein Pope aus einem Dorf besucht hat, um sich zu beklagen. Er klagte über seine Armut und sein Missgeschick in einem armen Dorf zu leben, und bat um Hilfe. Der Mitropolit hörte ihn an und überreichte ihm eine Bibel, mit der Anordnung darin zu lesen. Nach einem halben Jahr trafen sich die beiden wieder und von neuem beklagte sich der Pope über seine Armut. Darauf sagte der Mitropolit zu ihm: Ich merke, du hast in der Bibel nicht gelesen, sonst hättest du die Geldscheine entdeckt, die ich dir als Hilfe hinein gelegt habe. Beschämt schlich der Pope davon.
Seht, das Leitbild Christi hat vielen Menschen zu einem Grundmuster fürs Leben verholfen. Und wenn Jesus Christus sagt: ICH bin der gute Hirte, so stimmt das. Denn wie ein guter Hirte führt er uns durch diese vergängliche Welt, die voller Gefahren, voller Verlockungen, voller Verzweiflung und voller Not ist. Er sorgt für uns auf allen Wegen und er sorgt sogar auf die verirrten Schafe seiner Herde, die bocken und ausbrechen und sich verlieren. Er sorgt auch für die Fremden, die nicht zu uns gehören, denn er ist auch ihr Herr und Heiland.
Haben wir Sorgen – er sorgt für uns
Haben wir Hunger – er gibt uns das Brot
Haben wir Durst – er gibt uns Wasser des Lebens
Haben wir Unfrieden – er gibt uns seinen  Frieden
Haben wir Angst – er hat die Welt überwunden
Haben wir Anfechtungen – er hat Sünde und Tod besiegt
Und in der Ewigkeit tritt er uns entgegen – denn  er kennt uns.
Unsere größte, momentane Sorge ist wohl diese Corrona-Krise, in die wir hineingeraten sind. Es war nicht unser Wunsch. Es war nicht ein medizinisches Experiment. Es war nicht politischer Wille. Es war wohl unser Schicksal, hier auf die Probe gestellt zu werden. Doch wenn wir in dieser Krise uns wieder auf das Grundmuster des Lebens beziehen und den Hirten unserer Seelen, nämlich unsern Heiland Jesus Christuis, zum Vorbild nehmen, so wird dieser uns beistehn und uns helfen, zu leben und zu überleben. Das nennen wir Glauben, so wie es Paulus in der Aspostelgeschichte dem Kerkermeister von Philippi zuspricht: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig !“ (Apg. 16,31)


Lied EG: 222,1-5

Gebet
Ehre und Preis sei dir, allmächtiger Gott und Vater. Du hast deinen Sohn Jesus Christus von den Toten herausgeführt und uns zum guten Hirten gegeben. In seiner Obhut sind wir vor Feinden geschützt, der Sünde erlöst und mit guten Gaben beschenkt. Gib, dass uns nichts aus seiner Hand reiße und wir ihm, als unsern wahren Vorbild Tag und Nacht folgen, bis wir vollendet sein werden in deinem Reich. Dort werden wir vereint mit allen Völkern der Erde dich ewig loben und preisen.
Wir bitten dich für die ganze Christenheit, dass sie das Wort von der Auferstehung aufmerksam hört und dass bald ihre Spaltungen überwunden werden. Stärke die Verantwortlichen in dieser Welt mit Glaubensmut, damit sie gute Vorbilder für die nächsten Generationen werden. Gib Frieden unsern Gemeindegliedern und schenke neues Leben in unseren Kreisen. Erbarme dich der Armen und Kranken, der Notleidenden und der Bekümmerten, wie auch aller, die schwere Lasten zu tragen haben. Der Hirte unserer Seelen möge alle unter seinen Schutz nehmen.
In der Stille nennen wir die Namen derer, die uns am Herzen liegen, in der Nähe, wie in der Fremde....
Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke und das Grundmuster unseres Leben. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen



Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen