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Hausgottesdienst am Sonntag Quasimodo Geniti

veröffentlicht um 17.04.2020, 09:01 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 17.04.2020, 09:02 ]
Hausgottesdienst  am Sonntag Quasimodo Geniti,19.04.2020, Pfarrer Kurt Boltres
Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied EG. 127,1-3


Tagespsalm Nr. 16 „Das schöne Erbteil“

Gebet:
Allmächtiger Gott. Du hast unsern Herrn Jesus Christus nicht im Grabe gelassen, sondern ihn zu deiner Herrlichkeit auferweckt. Aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes rufen wir zu dir: Schenke uns durch deinen lieben Sohn das neue Leben. Herr erbarme dich unser ! Amen
Wir lesen das Predigtwort des heutigen Tages bei Jesaja 40:12-31

28 Weißt du nicht ? Hast du nicht gehört ? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jesaja 40,28-31)

Ein neuer Ausblick !

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, 
Ein Volk befindet sich unter der Knute von fremden Herren. Wir schreiben etwa das Jahr 550 v.Chr. Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden gibt es nicht mehr für dieses Volk. Die Menschen überleben nur, weil sie stille halten und in blindem Gehorsam verharren. Sie sind zwar keine Sklaven, dürfen aber das Land nicht verlassen. Ihre Kinder aus der zweiten Generation wachsen unter einem Regime auf, das sie wie Gefangene hält. Die Sehnsucht nach Freiheit wächst allenthalben und überall bei diesen Menschen. Doch hier aufmerken:
Wie viele Völker kommen uns augenblicklich in den Sinn, Völker die gerade heute genau das ertragen müssen, was die Bibel uns beschreibt. Es wird hier jeder Tag zum Kampf um das nackte Überleben ! Wir erinnern da an die vielen Christen im Nahen Osten, in Syrien, in der Türkei, in Irak, im Iran und Somalien, wo alle nicht mehr geduldet werden und wo sie in ständiger Angst um ihre Freiheit bangen müssen.
Es gibt jedoch auch Länder in Afrika oder in Asien, wo die Christen noch verfolgt werden und manchmal nicht wissen, ob sie den anderen Tag erleben werden. Ganze Sippen und Familienverbände leben unter Bedrohung, Angst und Verfolgung.
In vielen Ländern wird der Kampf um Freiheit von Befreiungsbewegungen militärisch geführt, während sich andere mit gleichen oder ähnlichen Zielen trotz aller Gefahren politisch oder auch literarisch engagieren. Auch dafür gibt es genügend Beispiele in der Geschichte der Menschheit.
Doch wir gehen in Gedanken um einige Jahrzehnte zurück und horchen auf den Jubel der Siegermächte in dem sozialistischen Ostblock. In den Besatzungszonen des Ostblocks war viel Leid und Klagen zu hören. Nicht zu vergessen unser sächsisches Volk in der Zeit der Diktatur. Deportation, Enteignung und politischer Arrest sind nicht vergessen ! 
Mich selber haben rumänische Jungen gejagt und mir nachgeschrien „Hitleristule“. Ich selber bin mit „proprietari“ am besetzten Hof groß gewachsen, die aus der guten Stube nicht mehr ausziehen wollten. Und als sie auszogen, nahmen sie auch das mit, was ihnen nicht gehörte. Ich selber habe ein Militär durchquälen müssen, bei welchem ich den Status der Minderheit zu spüren bekam. 
Und ich selber habe in meinen Predigten vor der Wende immer wieder Bezug genommen auf das Volk Israel in einer über Generationen anhaltenden Gefangenschaft. Und wenn Jugendtreffen stattfanden, das war für uns auch eine Grauzone in der wir uns bewegen konnten, habe ich liebend gerne das Lied „Die Gedanken sind frei“ singen lassen. Ich kann heute dankbar sein, dass die Miliz und auch andere nicht Deutsch verstanden und die Landessprache rumänisch war und ist.
Auch der Prophet Jesaja, liebe Gemeinde, stellt sich in schwerer Zeit an die Seite seines Volkes, um den geplagten Menschen Mut zu machen. Er stärkt ihren Mut durch radikale Worte, denn nur diese werden in dem extrem harten Überlebenskampf gehört. Es ist Jesajas Überzeugung, dass nur der Glaube an Gott, den Menschen Halt und Stärke geben kann. Ein beständiger Glaube wird Ihnen Immunität verleihen gegen Anpassung, Verzweiflung und Depression. 
Denn: Wer ist schon das Volk der Babylonier, hören wir in diesem Klagelied, wer ist dieses Volk, das Israel so unmenschlich niederdrückt ? Wer sind seine prächtigen und mächtigen Könige ? Worin bestehen seine kulturellen Errungenschaften, wie z.B. das Ishtar-tor und die große Prachtstraße, die man heute im Berliner Pergamonmuseum bewundern kann ? Welche Kraft haben die Götter der Babylonier, welche Kraft besitzt die ganze babylonische Kultur dann, wenn das Licht des Gottes Israels, des wahren Gottes, auf sie fällt ? Die Völker, und so auch das Herrschervolk der Babylonier werden vor diesem Gott zu einem einzigen Wassertropfen an einem Wassereimer ! Wie viele Wassertropfen mag wohl ein einziger Eimer fassen ? Wer kann das schon wissen ! Babylonier ? Fragen lauter Fragen, die im Jesajabuch nachzulesen sind.
Die Babylonier sind nach der Überzeugung des Jesaja nichts weiter als ein kleiner unbedeutender Tropfen, der aus dem Wassereimer schwappt und sich in Nichts auflöst (wie auch die Kommunisten von denen nicht gepredigt werden durfte) ! Der Prophet, liebe Schwestern und Brüder, stärkt die deportierten Juden in ihrem Überlebenskampf, indem er ihnen das Bild des unvergleichlichen und allmächtigen Gottes vor Augen führt. Unser Gott, so hören es die Menschen aus seinem Munde, ist einzigartig, er vermag alles, er kann uns in die Freiheit führen – was dann übrigens einige Jahre später tatsächlich eingetreten ist. Der Perserkönig Kyros stürzte die babylonische Herrschaft und ließ das Volk Israel in seine Heimatland ziehen. Israel hörte und erlebte in jener Zeit, was auch wir in unserm Glaubensbekenntnis bekennen, wenn wir sprechen: Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen… 
Aber, wenn wir das Glaubensbekenntnis als Christen so aussprechen, öffnet sich uns geradezu ein riesiges Areal von Fragen und Einwänden, von kritischen Gedanken und Widersprüchen, die an dieser Stelle nicht einmal erwähnt werden können. Und zwar nicht nur jene scheinbar lustige Frage, die Theologiestudenten sich stellten: Wenn Gott allmächtig ist, ist er dann in der Lage, einen so schweren Stein zu erschaffen, den er selbst nicht mehr heben kann ? In dieser einfachen Frage schon deutet sich bereits etwas von der Problematik an, über Gottes Allmacht. Tiefer jedoch reicht der folgende Gedanke, der unzähligen Menschen täglich auf der Seele brennt: Wenn Gott allmächtig ist, warum lässt er dann so unendlich viel Leid auf der Erde zu ? Gerade jetzt in der Corona-Krise hält sich der allmächtige Gott versteckt, wo schwere Angst und sogar der Tod die ganze Welt bedrohen. Tote werden in Massengräber gelegt, ohne Anwesenheit der nächsten Verwandten. Gottesdienste werden verboten, der Auferstehungstag ist gefährdet. Not und Hunger treten auf. Die Unvernunft triumphiert ! Die Betonung der Allmacht Gottes kann den Glauben in Sackgassen führen, die manchen Menschen zur Verzweiflung treiben.
Ich glaube, da hat Gott, der Herr, diese Sackgassen erkannt und sich darum aller Menschen erbarmt. Er selber wurde Mensch, wurde geboren in einem Stall, in größter Armut, war in Windeln gewickelt, seine Eltern mussten mit ihm nach Ägypten flüchten. Die Bibel zeigt uns Gott als den, der mit Menschen leidet, der bei uns ist, mitten unter uns, der nicht Furcht und Angst verbreitet und noch weniger Gewalt, sondern stattdessen verkündigen lässt: Fürchtet euch nicht, in der Welt habt ihr Angst, doch ich habe die Welt überwunden. Er geht in Jesusu Christus bis zum Tode am Kreuz, wo Sünde und Tod besiegt wurden. Jesus Christus ist der Gott, der Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden schafft ! Vertrauen wir ihm, dem Auferstandenen von Herzen, so wird er unser Bitten und Flehen hören, und auch darauf antworten.
Ein Schlussgedanke: Jemand fragte einmal einen alten, weisen jüdischen Gelehrten: Rabbi, erkläre mir: Warum können heutzutage so viele Menschen Gott nicht mehr erkennen.? Der Rabbi entgegnete: Weil sich niemand mehr so tief bücken mag. 
Sich tief bücken, um Gott zu erkennen, sich selbst ganz klein machen, weil Gott sich auch ganz klein gemacht hat und auf der Seite der Niedrigen steht. Das gibt der Rabbi als Weisheit weiter, das ist auch genau die Sichtweise Jesu, die uns als Christen gut ansteht. 
Der Prophet Jesaja hat seinen Mitmenschen in jenem erbarmungslosen Überlebenskampf Mut und Hoffnung verliehen, so dass sie kurz darauf das Wunder der Freiheit erfahren durften. Doch Unterdrückung und Unfreiheit weichen solange nicht aus der Welt, wie die Herzen der Menschen nicht zu jener Liebe finden, die Jesus vorgelebt hat. Denn seine Liebe ist unvergleichlich ! Und unvergleichlich ist Gott ! Er gibt Mut und Kraft zum Überleben ! Amen

Lied 311, 1-5
Gebet:
Allmächtiger Gott und Vater, wir loben und preisen dich, dass du deinen Sohn Jesus Christus vom Tode erweckt hast. Du hast ihn siegreich aus dem Grab herausgeführt. Dafür danken wir dir und bitten dich: lass auch uns in der Kraft deiner Auferstehung den Tod überwinden, damit wir in einem neuen Licht wandeln.
Gieße deinen Segen über alle aus, die an der Botschaft der Auferstehung fest halten. Lass dir befohlen sein allen Regierenden dieser Erde, dass sie für die vielen Menschen, die ihnen anvertraut wurden, in reiner Nächstenliebe sorgen. Ihre Entscheidungen sind oft schwerer als angenommen, weil sie auf der breiten Front des Lebens wirken müssen. Auch an die vielen Helfer in dieser Krise denken wir, gib ihnen Kraft und Mut für die vielen Kranken zu sorgen und segne ihre helfenden Hände. 
Wir bitten dich aber auch von Herzen: mache dieser Viruskrise, dieser Pandemie und auch der Angst, die uns ergriffen hat, ein Ende. Führe bald den Tag herbei, wo wir uns neu umarmen können, wo wir wieder schaffen können, um füreinander zu sorgen. Wir denken auch an unsere Familien, an die vielen Armen und Kranken, der Notleidenden und Bekümmerten. Erbarme dich ihrer und tröste die Sterbenden. Erquicke alle mit der frohen Botschaft, dass der auferstandene Heiland lebt und regiert, dass er seine rettende Hand über sie hält zu Trost und Hilfe.
Herr, unser Gott, du hast uns durch deinen Sohn aus dem Tod zum leben berufen; - so wandle auch uns durch die Kraft der Auferstehung, dass wir, von Sünden befreit, dir leben und dich loben von jetzt an bis in Ewigkeit. Amen.


Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen