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Hausgottesdienst am Sonntag Rogate 17.05.2020

veröffentlicht um 13.05.2020, 01:38 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 13.05.2020, 01:38 ]

Hausgottesdienst  am Sonntag Rogate 17.05.2020, Pfarrer Kurt Boltres


Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Lied EG. 276,1-9


Tagespsalm Nr. 92 „Freude am Lob Gottes“


Gebet:

Allmächtiger Gott. Du hast unsern Herrn Jesus Christus nicht im Grabe gelassen, sondern ihn zu deiner Herrlichkeit auferweckt. Aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes rufen wir zu dir: Schenke uns durch deinen lieben Sohn das neue Leben. Lass uns durch dein Wort deine Absicht mit uns erkennen. Herr erbarme dich unser ! Amen

Wir lesen Gottes Wort bei Matthäus 6,6-13

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.

10  Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

11 Unser tägliches Brot gib uns heute.

12 Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

13 Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen. A
[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] 


Haltung und Inhalt beim Beten

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,


Wir feiern heute den Sonntag ROGATE. In unserer evangelischen Kirche ist dieser Sonntag hauptsächlich auf das Bitten, das Beten, Das Suchen und das Finden ausgerichtet. Deshalb wurde für den heutigen Sonntag auch das Wort der Bergpredigt über das Bitten und Beten ausgewählt. Jedoch die Basis dieses 5. Sonntages nach Ostern kommt aus der Septuaginta, der ersten lateinischen Bibel, wo es heißt: „Vocem jucunditatis annuntiate, et audiatur.“ (Verkündet es jauchzend, damit man es hört) Jesaja 48,20. 

Historisch rührt die Bezeichnung des Sonntages Rogate von den Bittprozessionen für eine gute Ernte her, die an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt als Flurumgänge über die Felder in katholisch geprägten und ländlichen Gebieten noch heute üblich sind. Denkt euch nur, dass vor etwa 700 Jahren bis ins 19 Jh. diese Prozedur auch bei uns Siebenbürger Sachsen üblich war. Denn die Drei-Felderwirtschaft war früher das Modell für die Landwirtschaft. Hier musste immer 1/3 der ganzen Anbaufläche brach liegen. (M. Konnerth – im Heimatbuch Honigberg). Deshalb wurde in einer besonderen Prozession (Bittprozession) um den Segen für diese produktiven Felder gebeten. Durch die moderne Landwirtschaft und die zunehmende Mechanisierung, ist dieser Brauch jedoch ausgestorben. 

Das ist schade, denn ich hätte heute gerne, wie vor 300 Jahren gefeiert, mici gegessen und ein Bier getrunken, wenn gerade die mici-Rezepte aus Ro mit einem Fragezeichen behaftet sind. Die EU will sie uns verbieten, wegen den vielen nationalen Zutaten. Ich hoffe das geschieht nicht.

Jedoch nicht Essen und Trinken sollen heute im Vordergrund stehen, sondern das Bitten und Beten, wie es der Sonntag Rogate verlangt. Dabei ist darauf im Besonderen zu achten, dass unser Gebet nicht zur Routine wird. Ich habe es in letzter Zeit oft erlebt, wie beispielsweise beim PARASTAS, dem Tränenbrot, von orthodoxen Christen das Vaterunser als Tischgebet gebetet wird. Und das muss schnell gehen, denn eine Beerdigung dauert dort dennoch 2-3 Stunden und der Hunger macht sich bemerkbar. Jedoch wenn der Hunger ein Gebet bestimmen und Bedrängen soll, so ist da kein Gebet, sondern einfach eine Einleitungsformel, oder ein Toast beim  Glaserheben,  und gleicht einem kräftigen Atemholen, bevor der erste Löffel in den Mund geht. Ich will keineswegs kritisieren, weil ich selber keine Alternative dafür parade habe. Ich will nur darauf hinweisen, dass für ein Gebet sowohl Form als auch Inhalt stimmen müssen. Und da muss ich zurück greifen in meine Kindheit. Nicht nur von meiner Mutter habe ich die Haltung zum Gebet lernen können, sondern auch im ersten Religionsunterricht. Da hat uns nämlich Pfr. Gustav Barthmes gesagt: „Kinder, wenn ihr betet, dann schließt die Hände zusammen und kreuzt die Daumen übereinander. Das tut ihr zum Gedenken an den Herrn Jesus Christus, der am Kreuz in Jerusalem für uns gestorben ist und uns gelehrt hat zu Beten und zu Bitten, denn Gott hört alles.“ 

Nicht nur mir ist diese Gebetshaltung übermittelt worden, sondern uns allen. Denn wenn wir am Ende  unseres Gottesdienstes aufgefordert werden: Lasst uns beten ! – so falten wir automatisch die Hände, sind still und sprechen in unserem Inneren die Gebete, die wir hören nach. Wir plappern nicht einfach nach, so wie ein Kind das Sprechen lernt, sondern wir sind auch in Gedanken beim Gebet. 

Und dennoch geschieht es, dass wir plötzlich bei einem Gebetsanliegen abschweifen. So geschieht es mir nämlich: Ich lese automatisch das vorgschriebene Gebet des Sonntages, aber wenn die Armen, Kranken, Behinderten und Notleidenden genannt werden, dann ziehen blitzschnell all die bekannten Personen, die von diesen Leiden behaftet sind, an meinem inneren Auge vorüber. Und wenn dann zum stillen Gebet aufgefordert wird, sind diese Namen gegenwärtiger als vorher. 

Mir hat jemand gesegat: wenn du nur an die persönlichen Freunde denkst, dann hast du die Beziehung zu Gott verloren. Ich sage: das stimmt nicht ! Auch wenn ich die Stimme meines Vorbeters höre und in Gedanken meinen Alltagssorgen nachgehe, so ist meine Seele doch bei Gott. Auch wenn wir uns im Gebet verlieren und unsere Gedanken wo anders hin schweifen, so bleibt unsere Seele dennoch bei Gott. Auch wenn ich während des Gebetes an meine kranke Mutter denke und in Gedanken die Beschwerden und Leiden unserer Familie vor Augen habe, so ist dennoch meine Seele bei Gott. Denn so hat es auch Jesus gesagt: was immer und wie immer ihr betet, Gott sieht euer Herz an ! Als die Jünger den Herrn Jesus baten: Lehre uns beten ! – so hat er die Halleluja-Schreier an den Straßen auch nicht gepriesen, sondern Raum. Haltung und Inhalt angeboten. So ist das Vaterunser zu einem Modelgebet geworden, welches wir täglich am Morgen, wie am Abend beten sollen. Nicht herunterleiern mit Hintergedanken an Essen, Trinken und Feiern, sondern mit Herz und Gemüt, was Seele bedeutet, sagt der Apostel.

Das Gebet nämlich muss von Innen kommen, es muss innerlich wachsen und reifen. Es muss eine Stütze und tägliche Hilfe der Seele sein, sonst bleibt das Gebet unwirksam. Ich las unlängst über das Leben eines bekannten Schauspielers. Der lag nämlich im Sterben, er hatte Lungenkrebs vom langjährigen Rauchen. Als ihn ein alter Freund besuchte, mit dem er lange Jahre auf der Bühne gestanden war, bat er ihn: „Bete mit mir das Vaterunser !“ Da antwortete der andere ganz ehrlich, in schauspielerischem Jargon: „Ich bedaure, mir fehlt der Soufleur !“

Diese Antwort gab mir viel zu denken. Wir stehen doch nicht auf der Bühne, wenn wir beten. Können wir denn nur dann beten, wenn uns vorgeflüstert wird ? Können wir nur dann beten, wenn der Pfarrer vorbetet ? Könnne wir nur dann beten, wenn wir in äußerster Not sind und ein „Herr hilf“ ausrufen ? Können wir nur dann richtig beten, wenn beim Unfall Blut fließt und das Sterben sich nähert ?

Tun wir das, so sind wir Heuchler, oder gute Redner, die überzeugen wollen. Je mehr Worte – umso größer die Chancen. Irgendwann werde ich Gott schon erreichen, es wird schon eine Lücke geben, wo Gott erreicht wird. Natürlich sagt die Bibel: Betet ohne unterlass ! -, aber wo der Hintergrund, das Gottvertrauen fehlt, ist solches Gebet vergeblich. In unserem Gebet muss nämlich auch die Seele mit ihrem Gottvertrauen mitschwingen. Denn so sagt Jesus: „Euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr bittet !“ und der Apostel sagt: „Alles darfst du vor Gott bringen“.

Ist dieses ehrlich gemeint, so wird er es hören. Ist es jedoch ein einfaches Lippen-Geplapper, so hat Gott dafür auch eine Antwort bereit, denn er weiß am Besten was uns eigentlich fehlt und wird demenstprechend unsere Gebete belohnen. Die Chancen für eine Gebeterhörung liegen jedoch nur im Gottvertrauen und das tue ich auch ohne vorgeplapperte Verse, sondern aus meinem inneren Herzen und aus tiefster Seele. Die Seele spricht im Gebet mit und ist diese nicht in Ordnung, so tun wir uns auch mit dem Gebet schwer. So lasst uns die Seele in Ordnung bringen, was wiederum nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Dafür gibt uns Jesus Christus in seiner Bergpredigt viele Richtlinien. Lasst sie uns voll annehmen, dann kommen wir Gott näher. Amen


Lied EG: 94,1-8


Gebet

Ehre und Preis sei dir, allmächtiger Gott und Vater. Du hast deinen Sohn Jesus Christus von den Toten herausgeführt und das Heil gegeben. In seiner Obhut sind wir vor Feinden geschützt, der Sünde erlöst und mit guten Gaben beschenkt. Herr , lass es nicht zu, dass wir mit Beten und Bitten aufhören zu dir zu rufen. Gib, dass uns nichts aus seiner Hand reiße und wir ihm, als unserem wahren Vorbild Tag und Nacht folgen, bis wir vollendet sein werden in deinem Reich. Dort werden wir vereint sein mit allen Völkern der Erde und dich ewig loben und preisen.

Wir bitten dich für die ganze Christenheit, dass sie das Wort von der Auferstehung aufmerksam hört und dass bald ihre Spaltungen überwunden werden. Stärke die Verantwortlichen in dieser Welt mit Glaubensmut. Gib Frieden unsern Gemeindegliedern und schenke neues Leben in unseren Kreisen. Erbarme dich der Armen und Kranken, der Notleidenden und der Bekümmerten, wie auch aller, die schwere Lasten zu tragen haben. Wir denken an unser Mütter, an unsere Kinder und an alle, die uns lieb sind in der Nähe und in der Ferne. Beschütze sie nach deiner großen Güte. Stärke Ärzte und Helfer in ihrer Arbeit zum Wohle der Menschheit und gibt ein gutes Gelingen in der Erforschung dieser unsichtbaren Krankheit.

Lass bald ein Ende haben mit dieser schweren Zeit, mit all den Notverordnungen und falschen Informationen, die uns in unserer Einsamkeit grämen. Gib uns Geduld und Ruhe für unsere Herzen und Seelen und lass uns mitten im Lob in dankbarer Stille harren, dessen, was da kommt.

In der Stille nennen wir die Namen derer, die uns am Herzen liegen, in der Nähe, wie in der Fremde....

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke und der Urgrund unseres Leben. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen


Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen