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Hausgottesdienst Sonntag Palmarum - 05.04.2020

veröffentlicht um 07.04.2020, 00:18 von Christian Chelu   [ aktualisiert: 07.04.2020, 00:49 ]

Hausgottesdienst Sonntag Palmarum - 05.04.2020 - Pfarrer Kurt Boltres



Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen Amen.


Wir lesen das Predigtwort für Palmsonntag, geschrieben bei Markus 14,3-9


3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 

4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 

5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 

7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 

8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 

9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Kostbarer Augenblick 

Liebe Schwestern und Brüder,

Wenn wir einen Blick in unsere Zeitungen werfen, oder auch die TV-Sendungen über unsere nationalen „VIPS“, oder die Sendung „romanii au talent“ oder die spannenden Serienfilme verfolgen, so überkommt uns oft das Gefühl einer besonderen Anteilnahme. Denn manche dieser Persönlichkeiten aus dem Showbusiness, oder aus der Politik sind uns, ehrlich gesagt, sympathisch und wir möchten gerne einen Augenblick in ihrer Nähe verweilen. Das verleiht uns, so meinen wir, einen kleinen Abglanz ihrer imposanten Persönlichkeit. Dieser Gedanke stammt nicht von mir, sondern er ist überliefert und ist eigentlich charakteristisch für jeden unter uns. Ich muss jedoch um dieses zu erklären einige Alltagsbeispiele zur Hand nehmen. 

Meine Tochter hat in ihren Kinderjahren Sissi-Filme überaus gerne gesehen. Es wurden ihr von ihren Großeltern aus Deutschland große Poster mit Romy Schneider, als Kaiserin Sissi, geschickt, die sie an Türen und Wände klebte und ich musste am Sonntag ins Videogerät den, und immer gleichen, Sissi-Film einlegen, ja gerade dann wenn das Ausruhen mir nach vielen Gottesdiensten so wichtig war. Meine Tochter hingegen konnte sich nicht sattsehen an dieser besonderen Ausstrahlung einer Sissi-Persönlichkeit, die beinahe vergöttert wurde. Als gütiger Vater und um den Hausfrieden zu wahren, habe ich diesen Zustand geduldet, eben weil es von meiner Tochter kam. 

Nun ich kann sagen, dass mich, obwohl ich einen gewissen Komplex gegenüber VIPS (sprich Persönlichkeiten) habe, dass mich ein solch faszinierendes Gefühl auch einmal ergriffen hat. Als der verstorbene König Michael nämlich zum ersten Mal im Burzenland weilte und die Tartlauer Kirchenburg besichtigte, da hatte ich dieses Gefühl. Der Empfang vor der Kirchenburg war besonders aufregend für mich. Nur die Hand musste ich ihm reichen und ihn begrüßen, doch darüber hatte ich vorher schlaflose Nächte gehabt. Es wurde ihm in der Burg doch nur Striezel und ein Glas Wein nach sächsischem Brauch gereicht. Aber der Empfang, der hatte es an sich. Und in meinen Vorstellungen sah es ganz anders aus, als es dann in Wirklichkeit auch geschehen war. Doch in dem Moment der Berührung hatte ich das Gefühlt zumindest etwas vom königlichen Abglanz zu verspüren. Man sagt im Volksmund, dass man sich nach einem Händedruck mit einer Persönlichkeit, die Hand eine Woche lang nicht waschen sollte. Ich hab´s nicht getan. Ich bin kein Fan der Monarchie und auch der Diktatur nicht.

So ähnlich, liebe Gemeinde, dürfte es auch den Leute ergangen sein, die sich nahe bei Jesus Christus aufhielten – die Jünger, die Mitläufer, die vielen Bewunderer und Fans. Einige Tagen vorher,  sind diese Bewunderer direkt neben ihm in Jerusalem eingezogen, haben Palmzweige von den Bäumen gerissen, haben ihre Kleider ausgebreitet und haben den Jubel der großen Menschenmenge genossen. Sie hatten es geschafft, aus der anderen Volksmasse hervor zu ragen, sie fühlten sich aus den normalen Lebensumständen herausgehoben, weil sie einen Abglanz dieser besonderen Ereignisses erleben durften. Welch seelige Stunde !

Doch in diese jubelnde Atmosphäre platzt diese Frau hinein. Ob sie die Frau des Simon ist, den Jesus kurz vorher vom grausamen Aussatz befreit hatte, wissen wir nicht. Aber wir können es annehmen, dass diese Frau wohl auch aus Dankbarkeit gehandelt hat. Nun, erst einmal hat sie es geschafft, dem Herrn Jesus ganz nahe zu sein. Das war hier gar nicht so schwierig, wie sie es zunächst befürchtet hatte. Immerhin redeten die Leute schon seit etlichen Tagen von nichts anderem, als von diesem Mann, diesem Jesus, der einen ganz besonderen Draht zu Gott haben sollte. Endlich kommt hier einer, der nicht mit solchen Glaubensgesetzen diktiert, die man ja nicht halten kann. Endlich hört man einen, der verspricht, dass Gott der Herr liebevoll ins Herz sieht und nicht streng auf die Vorschriften und Paragraphen. Den Leuten macht er klar, dass die verstockten Herzen der Gesetzeshüter keine Seligkeit versprechen.

Dieser Frau nun imponiert Jesu, sie findet ihn sympathisch. Sie war auch dabei, als Jesus auf dem Esel in Jerusalem ankam. Sie hat auch die jubelnden Menschen gesehen; - und die kopfschüttelnden Menschen ebenfalls. Und die versteinerten Mienen der Religionsvertreter (der Priester und Pharisäer) hat sie auch gesehen. Auch ihre Freundinnen hatten darüber gesprochen, was sie denn von Jesus bekommen könnten, wenn sie ihn träfen. Denn er hatte ja so vielen Menschen geholfen und hatte unendlich viele Wunder getan.

Aber im Herzen dieser Frau, in den christlichen Legenden wird sie Maria genannt, war mehr und mehr der Wunsch gereift, diesem außergewöhnlichen Menschen, diesem Jesus etwas zu schenken, etwas zu geben, - und nicht nur von ihm etwas zu bekommen. Da war ihr gleich das Öl im kostbaren Fläschchen eingefallen, das sie, vor langer Zeit, für einen besonderen Moment aufgehoben hatte, ohne zu ahnen, welcher das eigentlich sein sollte. Jetzt war er da. Sie spürte das. Jetzt war der Augenblick da, wo sie dieses kostbare Öl für eine gewissen Zweck genießen konnte. Eine Mischung aus Faszination, Interesse und freundlicher Erwartung erfüllt sie. 

Ich hatte damals, als der König zu Besuch war und ich ihn in Tartlau traf, nichts für ihn vorbereitet. Ich hatte eher davon geträumt, dass er die Zügel des Landes wieder in die Hand nähme und uns Wohlstand bringen würde. Nicht im Geringsten hatte ich einen Gedanken gehabt, diesem hohen Herrn auch nur eine Blume oder ein anderes Erinnerungsstück zu schenken, auch nicht ein kostbares Erbstück.

Aber heute lässt mich diese Entscheidung der Frau im Predigttext nicht los. Sie hatte die Nähe des Heilandes Jesus empfunden und sie tut etwas, was normal denkende Menschen nicht verstehen können. Sie bricht das Ende des Alabasterfläschchens ab – das, was wir heute als medizinische Ampullen kennen -, sie lässt den herrlich duftenden und öligen Inhalt über Jesu Haupt rinnen, und streicht sanft mit ihren weichen Händen über den Kopf des Heilandes. Jesus, schließt dabei die Augen, er atmet ganz ruhig diesen kostbaren Duft ein, und seufzt leise. Ein Augenblick der Faszination. Dieses Handeln gleicht doch einer Filmszene, so romantisch, so eindrucksvoll und liebevoll, kann sie dargestellt werden. Es ist, wie wir hören, die richtige Tat zum rechten Zeitpunkt und am richtigen Ort. Es ist ein Moment des echten Friedens. Ein Moment in welchem die Seele der Frau und die Präsenz des Heilandes Einklang finden. Die Verschwendung und die Kosten von 300 angedeuteten Silbergroschen verlieren in diesem Moment für diese Frau an Bedeutung. Glückseeligkeit pur !

Die Oberen des Volkes von Jerusalem sehen dieses Handeln jedoch anders. Weil sie Jesus nicht akzeptieren können und gerade weil Jesus sich kurz vorher beim Einzug in Jerusalem als König feiern und bejubeln ließ. Sie können dieses Geschehen nicht einfach schlucken. Sie deuten es als Verschwendung und nicht als Verehrung. 

Damals herrschte nämlich der Brauch, dass die Schüler ihren Gesetzeslehrer, ihren Rabbi, aus Ehrfurcht und besonderer Verehrung mit wohlriechenden Ölen (Parfüms) bespritzten. Dies hatte den Sinn einer besonderen Ehrerbietung, etwa ähnlich eines Geschenkes, oder eines Blumenstraußes.

Aber bei Jesus war die Verehrung durch die Menschenmenge schon geschehen. Nicht die Oberen des Volkes hatten ihn verehrt, sondern das Straßenvolk von Jerusalem. Es hatte Palmzweige ausgebreitet und einige sogar ihre Kleider. Man hatte ihm mit Hosiannah zugejubelt und das nicht heimlich, sondern mit voller Begeisterung. So ist Jesus ganz öffentlich verehrt und als „Sohn Davids“ ausgerufen worden, als König. 

Das wollten doch die Juden (Zeloten) zu jener Zeit. Die Römer sollten endgültig besiegt werden und aus Jerusalem verschwinden. Aber Jesus wollte das nicht. Es war nicht seine Aufgabe. Er wollte seinen Frieden in die Herzen der Menschen legen, einen Frieden, der aus friedlichen Mitteln kommt, selbst wenn diese mit Leid und Schmerzen verbunden sind. Frieden kann nur werden, wenn Menschen mit sich selbst Frieden machen und dann auch mit ihren Mitmenschen - ja, selbst mit den Römern. Deshalb ist Jesus auch auf einem Esel in Jerusalem angekommen und nicht auf hohem Ross oder einer Limousine - ob das die Menschen damals wohl verstanden haben ?

Jesus war auch kein Mensch für ein hohes Ross. Er war kein König der goldenen Kutsche und der königlichen Aufmachungen, wie wir sie jetzt im Fernsehen sehen, wenn die großen Vorbereitungen für Prinzenhochzeiten gezeigt werden. 

Hier wird Jesus in aller Stille von dieser Frau verehrt. Und auf die vermeintliche Verschwendung von 300 Silbergroschen (=150 €) sagt er deutlich und bescheiden: Arme Leute, an denen ihr diakonische Dienste tun könnt, habt ihr jederzeit unter euch, aber mich nicht. Damit deutet er auf die letzte Zeit hin, die er noch unter Menschen weilen wird. Dass diese Salbung gleichzeitig eine Todessalbung für Jesus gewesen ist, das haben die Jünger eigentlich nur später verstanden. Diese Geste der Salbung wird heute als Verehrung und als Zeichensetzung für sein Begräbnis gesehen. Jesus war ja diesmal nicht mehr der Gebende, sondern der Empfangende, für den etwas Kostbares gegeben und geopfert wurde.

Außerdem, war seine Präsenz für diese einfache Frau aus dem Volk von besonderer Wichtigkeit, sonst hätte sie nicht die kostbare Narde mit Salböl für Jesus geopfert. Doch dieser Augenblick, in welchem sie die besondere Ehrerbietung zeigen konnte, war für sie lebenswichtig. Denn da hat sie Mut geschöpft und hat den Segen, der von Jesus ausging genießen können. Sie hat etwas, was von der Herrlichkeit des Gottessohnes ausging abbekommen. 

Ich muss damit offen bekennen, dass ich mir manchmal auch wünsche solch einem Augenblick zu erleben und direkt im Blickkontakt mit meinem Erlöser zu stehen. Aber auch anders geht es ähnlich. Wenn ich in der Nähe unseres Bischofs stehe oder in der Nähe anderer bekannter Persönlichkeiten, so kann ich mich nicht eines besonderen Empfindens verwehren. Es ist etwas dran. Denn manche dieser markanten Persönlichkeiten stehen tatsächlich unter der besonderen Gnade Gottes und werden vom Segen begleitet. Der Augenblick der Tangierung sagt es aus. Denn bei solchen Ereignissen herrscht wohl immer Frieden und innerer Enthusiasmus.

Doch jetzt haben wir einen Virus unter uns. Dieser will solche Momente stören. Dieser will uns entfremden. Dieser will uns isolieren. Dieser will uns trennen. Dieser will uns anstecken. Dieser will uns töten.  Dieser will uns davon abhalten in der Kirche das Hosiannah zu rufen. Er will uns davon abhalten „aufzusehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens“. 

Doch wir geben nicht auf und beten in unseren vier Wänden um den Frieden, den die Welt nicht geben kann. Wir beten als gesegnete Kinder Gottes für Einheit, Brüderlichkeit und Frieden. Wir Beten für Gesundheit, für Liebe und Freundlichkeit. Wir beten für einen  starken Glauben, für Gnade und Barmherzigkeit. Wir beten für Erlösung und ewiges Heil in Jesus Christus. Wir beten voller Zuversicht und voller Hoffnung für diese Zeit und für die Ewigkeit.

Wir beten aber auch für solche Situationen, wie sie diese Frau im Predigtext erlebt hat. Sie ist beschenkt worden und hat gleichzeitig schenken können, eine erfreuliche Sache. Es ist eine Situation, die in keinem Projekt vorbereitet und diskutiert werden kann, sondern  dieser Augenblick kommt ... wenn er kommen soll, nach Gottes allmächtigem Willen. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Epistel für Palmsonntag – Philipper 2,5-11

Liedvorschlag EG 60,1-6


Gebet:

Heiliger Gott, barmherziger Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus um unseretwillen den Tod am Kreuz sterben lassen. Du hast ihn darauf verherrlicht und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen steht. So gib uns den Glauben, dass wir diese Tat deiner Liebe verstehen und gib uns den Mut Zeugen deiner großen Barmherzigkeit zu werden. Führe auch bald den Tag herbei, wo sich die Knie der Menschen beugen und sich zu Christus bekennen.

Wir bitten dich auch für deine Kirche auf Erden, die jetzt von besonderer Not bedrängt wird, die aber Frieden findet unter deinem Kreuz. Stehe ihr bei mit der Kraft des Heiligen Geistes, dass sie sich in  dein Erbarmen fügt. Wir bitten dich für die vielen Menschen, die von der unermesslichen Not dieser Zeit betroffen sind. Wehre dieser Coronakrankheit und erbarme dich unser. Schenke Ärzten und Helfern Kraft zum Durchhalten. Schenke den Betroffenen Mut und deinen Trost. Stärke unsern Glauben.

Herr, erbarme dich unser und schenke Versöhnung und Frieden, wo Angst und Schrecken herrschen. Wir bitten dich für alle, die unter der Last des Lebens leiden, für die Kranken, Trauernden und Sterbenden. Wie bitten dich für die Einsamen, Verlassenen und Verzagten, für alle die in Versuchung und Anfechtung sind. Zeige ihnen das Heil in Jesus Christus und schenke ihnen deinen Frieden. Denn dir, allmächtiger Herr, ergeben wir uns mit allem, was wir sind und haben. Alles, was unsere Herzen bedrückt und unsere Seelen beschäftigt sagen wird dir in der Stille, und wir bitten dich: erhöre uns ! ...... Segne uns nach deinem Wohlgefallen. Amen


Vater unser


Es segne und behüte uns Gott, der Allmächtige, 

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.