Hausgottesdienst am 1. Trinitatissonntag, dem 14. Juni 2020

Hausgottesdienst am 1. Trinitatissonntag dem 14. Juni 2020, Pfarrer Kurt Boltres

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Tagespsalm Nr. 132 „Davids Haus und das Heiligtum auf Zion“

Gebet:

Allmächtiger Herr und Gott, der Vater, der Sohn und der Heiliuger Geist. Du bist die Quelle des Lebens, ohne dich ist unser Wort leer und unsere Liebe ohne Kraft. Wir stehen da und können uns nicht helfen. Komm und kehre bei uns ein mit der Macht deines Wortes, mit der Kraft deiner Liebe und mit dem Reichtum deiner Gnade. Wir rufen zu dir: Herr erbarme dich unser !

Wir lesen Gottes Wort im 5. Buch Mose 6,4-9

4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen 7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. 8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, 9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Erinnern und Vertiefen

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Die moderne Welt entwickelt sich aufgrund einer intensiven Werbung. Für alles, aber auch jede kleinste Sache wird heutzutage geworben. Internet und fernsehen gehen nicht ohne und kaum tritt man aus dem behüteten zuhause auf die Straße, fällt der Blick schon auf eine andere Werbung. Doch diese Werbungen sind nicht zu vergleichen mit den Werbungen der kommunistischen Zeit, wo man auf rot-weißem Hintergrund lesen musste „Traiasca Republica Socialista Romania“ oder „Ceausescu, Pace“ oder „Cincinal, un plan real“. Heute flattern die Werbungen auch ins Haus über die Post, über das Radio und über, wie erwähnt, das visuelle Fernsehen und Internet. Dass durch diese Medien die Bevölkerung manipuliert wird, ist schon lange bekannt. Nicht nur bei Wahlkampagnen, sondern auch in Friedenszeiten.

Kluge Werbestrategen haben deshalb heraus gefunden, dass die Zahl 7 große Wunder bewirken kann. 7 Mal muss ein Mensch durchschnittlich einen Gedanken widerholen oder daran erinnert werden, bis er sich das auch langfristig merken kann. Das soll auch wirklich so sein und ist an tausenden von Probanten ausprobiert worden. Also wenn man mit Ernst etwas lernen will, etwa eine Fremdsprache, Vokabeln oder mathematische Formeln, oder den Stoff für eine Prüfung, oder die Rolle in einem Theaterstück oder, oder ... dann soll man die Gedankengänge 7 Mal wiederholen ! Ich habe dies noch nie ausprobiert. Doch die klugen Werbefritzen sagen: „ 7 Mal muss auf ein Plakat, auf einen Werbespot, auf einen Handzettel, auf ein Zeitungsinserat hingesehen werden, dann merken sich die Leute den Inhalt der Botschaft.

Das ist besonders wichtig bei einer Wahlkampagne, um die auserkorenen Kandidaten auch wirklich in die Führung zu katapultieren. Eine solche Wahlkampagne wurde in den 30-ger Jahren ausprobiert. Dabei hat man nicht die Kosten gescheut. Es wurden Plakate gedruckt, es wurden Botschaften über das Radio gesendet, es wurden Meetings mit einer enormen Aufmachung gehalten, bis der Gedanke der Nazis dem Volk eingefleischt wurde. Die Folge davon: blinder Krieg, Schmerzen und Tod, und darauf Neuorientierung !

Dasselbe hat sich nach dem Krieg wiederholt, wo die Kommunisten dieselbe Methode mit moderneren Mitteln durchführten. Ich erinneren an das Defilieren vom 1. Mai, dem Arbeitertag, und vom 23. August. Ich selber habe diese Aufmachungen erleben müssen. Im Anschluss mussten wir als Schüler des Honterus vor den Parteibonzen im Theater von Kronstadt mit der Schrammelgruppe spielen und Tanzen, für ein Dankeschön. Doch die Propaganda hat hingehauen, sie hat das Volk besänftigt und hat zu der großen „Cantarea Romaniei“ geführt, die mit etwas Moderne und den rethorischen Versen des Adrian Paunescu, ein Vorgefühl eier erfüllten Zukunft vermittelte. So war es. Volle Verblendung, Revolution und globales Umdenken folgten darauf. Und jetzt sind wir wieder dran und fragen uns: was wird noch werden ? – was wird Corona uns wohl bringen ?

Doch vor 4000 Jahren hat es keine Werbestrategen, keine Propagandaminister gegeben und auch keine Theoretiker, die darüber Bücher schreiben konnten, sondern nur die Erfahrung und die Erinnerung an Gottes Wirklichkeit. Diese Erfahrungen sind nur bruchstückhaft nieder geschrieben worden. Aber diese Erinnerungstexte haben Generationen hindurch geholfen, weil sie wiederholt gelernt und gelehrt wurden. Sie sind als Begegnung mit Gott, dem Herrn, zu einem Bekenntnis erhoben worden und damit zu einem wichtigen Bestandteil des jüdischen Glaubens. Sie wurden zu einem Lebensfundament.

Vor uns haben wir, in unserm gelesenen Bibelwort, eine nahezu 40 Jahre währende schwere Wüstenwanderung. Das gelobte Land, welches dem Volk Israel versprochen wurde, ist bald in Sicht. Die Knechtschaft in Ägypten ist bald vergessen. Doch bevor der große Mose sein Volk entlässt, um das gelobte Land einzunehmen, versammelt er die Führer. Ihm war es doch verwehrt im gelobten Land den Frieden zu finden. Die Führer erinnert er aber an die Vereinbarung mit Gott. Er zählt noch einmal auf, woran sich das Volk halten soll, damit das Leben gelingt. Er erinnert an die Gebote, als die wichtigste Anweisung für das Leben. Er erinnert daran, dass nicht irgeneiner, ein unbekannter, ein unberechenbarer Gott das Volk aus der Sklaverei Ägyptens befreit hat, sondern der HERR. Nicht irgend eine höhere Macht hat es getan, ein kosmologische Intelligenz, ein Allien, sondern Gott, der HERR.

SCHMA`ISRAEL – Höre Israel. Das ist das große Wort, welches auf Pergament geschrieben in Lederkapseln bewahrt wurde. Die Juden trugen diese Pergamentstreifen in Stirnbändern und brachten sie an ihre Türpfosten an. Damit soll allezeit greifbar nahe sein und jederzeit erinnert werden, dass Gott, der HERR, Israel erlöst hat.

Doch wer ist dieser Gott, fragten die späteren Generationen ? Ist er ein unberechenbarer Gott, wo so viele Beispiele doch darauf hindeuten !

Jan Fleming, ist ein Name und sagt uns nichts. Vor mehr als 110 Jahren ist er geboren worden und hat als Soldat im II. Weltkrieg, als Journalist und Schriftsteller gewirkt. Nichts Besonderes hat er geschaffen. Doch er hat in 12 Romanen einer Hauptfigur ein Ziel gegeben, welches sehnlichst auch heute noch angestrebt wird. Er schuf die legendäre Gestalt des James Bond, des Agenten 007, der in allen Filmen charakteristisch als Retter der Welt auftritt. Wer kennt ihn nicht diesen 007, er erfüllt die Sehnsüchte der Menschen und rettet als eleganter Held die Welt vor dem Bösen und diese Rolle macht ihm auch wirklich Spaß.

Doch Gott tut dies auf keinen Fall. Darauf will auch „schma´israel“ nicht hinführen. Denn Gott ist anders. In der großen Gretchenfrage bei Dr. Fausr von J.W. Goethe geht die Unfassbarkeit Gottes in Gefühlsduselei über. Faust spricht: „Nenn es dann, wie du willst, nenn es Glück-Herz-Liebe-Gott ! Ich habe keinen Namen dafür ! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut !“

Doch auch das ist Gott nicht. Gott ist ein anderer. Das will uns auch der Predigttext vor Augen führen. Gott ist nämlich der, der im Hören und Sehen, in der Predigt und im Gebet, und im Erleben ständig gegenwärtig ist. Der Herr ist der, der durch wiederholtes Bekenntnis und durch die Erinnerung unser Bewusstsein einnimmt.

Gott ist also kein charmanter James Bond, der sich in Schall und Rauch nach einer Filmvorführung auflösen kann, sondern er ist der HERR, der sich den Menschen offenbart hat in Jesus Christus, der den neuen Bund geschaffen hat und sich an seine Verheißungen hält.

Das Hören, das Lernen, das Erinnern – das ist Gottes Gabe an uns. So werden in unserer Kirche die Taten und Worte Gottes durch die Predigt, durch das Erzählen und durch das Gebet, - also die Erfahrungen mit Gott von Generation zu Generation weiter geleitet. Und dort, wo das Hören keine Chance hat, in die Tiefe der Seele zu dringen, da gibt es dennoch das Erleben und das Sehen. Denn Gott ist gegenwärtig.

Wir sind jetzt in unserem Medienzeitalter eher visuell veranlagt und erzogen worden. Es kann deshalb sein, dass die Flut von Bildern unser Gehirn überanstrengt und dem Hören keine Chance gibt in die Tiefe zu gehen. Und auch das gute Hören, ist durch die technischen Verstärker überdröhnt worden. Es schreckt ab und betäubt und lässt nicht in die Tiefe dringen.

Wir machen uns deshalb Sorgen. Ja, viele Mesnchen machten sich in ihrer Zeit Sorgen: Christus, Paulus, Gallilei, Kopernicus, Luther, Newton, Goethe, Kant, Einstein – und dabei nimmt die Welt ihren Lauf, so wie es Gott bestimmt hat. Es kann also nichts daran geändert werden, ohne dass Gott es will.

Und dieser Gott und HERR, will heute gehört werden. Er will uns daran erinnern, dass er seinen Bund mit uns Menschen aufgefrischt hat, durch das Opfer seinen Sohns Jesus Christus. Mit seinem Blut hat er den neuen Bund besiegelt. Damit wird uns südigen Menschen die neue Chance der Erlösung gegeben und ein ewiges Leben geschenkt.

Deshalb lasst uns diese neue Botschaft erneut und aufmerksam hören, sie vertiefen und lernen. 7 x 7 Mal und nochmals 7 x 7 Mal, damit sie Fuß fassen kann und in unsere Seele einmgehe. Wer Ohren hat zu Hören, der höre – sagt Jesus. So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes- sagt uns der Apostel Paulus. Wir werben nicht dafür, sondern bitten um das Wort Gottes, dass es offene Ohren und offene Herzen finde. Gott, helfe uns ! Amen !

Gebet

Wir danken dir, allmächtiger Gott und Vater, dass du uns dein Wort gegeben und deinen heiligen Willen kund getan hast. Sende deine Boten auch fernerhin zu uns und zu allen Menschen. Gib, dass wir die Botschaft von deiner Liebe immer wieder hören und lernen, um uns ganz darauf verlassen zu können. Hilf uns heraus aus unserer Selbstsucht, aus Kälte und Gleichgültigkeit, aus Hass und Furcht vor den Menschen und lass uns in Liebe miteinander und untereinander leben, so wie du geboten hast.

Wir beten für deine Kirche auf Erden, für den Bischof und die Prediger des Wortes Gottes, wie auch für die vielen Helfer in unseren Gemeinden. Gib Freude und Mut dein Wort zu verkündigen, deine Wahrheit zu lehren und deiner Gemeinde zu dienen. Erinnere die Christen an das Heil in Jesus Chrisus. Mach es möglich, dass alle Menschen unabhängig von Volk, Mentalität und Glauben zueinander finden und wahre Brüder werden. Lenke die Mächtigen und Regierenden zu einem neuen Verständnis für das globale Wohl der Welt und beseitige du, duch deine allmächtige Kraft alle Gefahren die uns bedrohen. Denn wir sind deine Kinder und flehen zu dir. Lass bald den Tag kommen, da wir aus dieser Gesundheitskrise befreit werden.

Wir bitten dich um deinen Segen für die Notleidenden, die Bedürftigen, die Kranken und Schwachen in unseren Gemeinden, wie auch auf der ganzen Welt. Lass alle konstruktive Arbeit gedeihen und alle destruktive Arbeit geschwächt werden, damit wir zur Vernunft kommen, um der Gemeinschaft mit neuen Kräften und neuen Erkenntnissen dienen können.

Wir bitten dich für unsere Verwandten, Bekannten und Freunde, ob sie in Schwierigkeiten stecken oder die Erfüllung haben. Sei mit ihnen nach deinem großen Willen und deinem wahrhaften Entscheiden. Sei mit den ärztlichen Helfern und unterstütze sie in ihren Erforschungen und Initiativen, damit der ganzen Menschheit damit geholfen werde.

Schenke ihnen allen den Geist aus der Höhe, den Geist der Wahrheit, den Geist der Kraft und der Stärke, den Geist des Trostes und der Hilfe, den Geist des Glaubens.

Wir beten dich an und nennen in der Stille die Namen derer, die uns besonders am Herzen liegen und bitten dich um deinen Beistand ...

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke unsere Zuvericht und unsere Hoffnung. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen


Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Der Herr segne und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen