Hausgottesdienst am 13. Trinitatissonntag dem 6. September 2020

Hausgottesdienst am 13. Trinitatissonntag dem 6. September 2020, Pfarrer Kurt Boltres

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Tagespsalm Nr. 120 „Hilfe gegen Verläumder“

Gebet:

Allmächtiger Herr und Gott, der Vater, der Sohn und der Heiliger Geist. Du bist geduldig und gnädig. Deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß. Wir aber leben in einer Welt voll Elend und Not. Laß nicht zu, daß wir unser Herz vor den anderen verschließen und somit unser Leben verfehlen. Wir rufen dich an; Herr erbarme dich unser !

Wir lesen Gottes Wort in der Apostelgeschichte des Lukas Apg. 6,1-7

1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. 2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. 3 Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. 4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. 5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. 6 Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Konflikt bringt Erneuerung

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Es ist eine bekannte Sache, dass überall dort, wo Menschen miteinander zu tun haben, machen sie sich früher oder später gegenseitig zu schaffen. Ob wir das wollen oder nicht, es gibt immer ein Problem, oder eine Haken in der Sache. Nie kann das Leben reibungslos erlebt werden. Nie kann es ohne Rechthaberei und Streit ausgehen. Dem ist nun einmal so !

Deshalb können wir auch sagen: Konflikte und Divergenzen gehören zum Leben. Sie sind oft unvermeidbar. Aber, und das aufgepasst, sie bieten eine besondere Chance zur Veränderung. So hat mein Großvater im Garten die Gartenmauer zum Nachbarn mit wilden Brombeeren bepflanzt, weil erstens ungebetene Gäste sich des Gartens bedienten und auch wir Kinder oft auf der Mauer spielten und daher die Steine von der Steinmauer in den Nachbargarten fielen. Das hat jedoch auch auch meine Großmutter verärgert und es gab Ärger im Haus, aber im dritten Jahr konnten wir von diesen Brombeerstäuchern eine reiche Ernte haben. Und seither gab es an dieser Mauer Brombeerstäucher, dort wo eh nur an der Nordseite Brennesseln gewachsen wären. Das war eine positive Änderung.

Aber wir wissen auch, dass manche Konflikte mit unangenehmen Gefühlen und gar peinlichen Situationen verbunden sind, die die normal funktionierende Gemeinschaft ruckartig unterbrechen. Dann geht die Zusammenarbeit nicht mehr. Dann ist es aus !

Solche Konflikte gibt es im Berufsleben, im Parlament, aber auch im Privatleben und wir nehmen sie als unangenehme Störung wahr. Leider ist unsere Kirche auch nicht frei von Konflikten. Wir haben sie auf lokaler Ebene und in unserem Kirchenbezirk erlebt. Die große Auswanderung, nach welcher ein großes Vakuum an vernünftig denkenden Personen entstand, hat dazu geführt. Wir möchten gern einen konfliktfreien Raum in unserer Mitte haben und möchten auch ein anderes Klima in der Umgangsweise miteinander spüren, weil unsere Kirche ja auf das Gebot der gegenseitigen Liebe aufgebaut ist.

Tatsächlich nehmen gerade in den Kirchengemeinden die Konflikte einen größeren Raum ein, als es ihren Dienern und Helfern lieb ist. Wenn früher über innere Pannen geschwiegen wurde, und diese intern gelöst wurden, so kommen diese heute an die große Glocke. Das tun die Leute, die mit sich selbst in ester Reihe unzufrieden sind. Wenn früher gedacht wurde: „Frieden soll immer sein und bewahrt werden, weil Gott uns liebt und sich selbst für uns geopfert hat“, - so wird heute nach dem Recht, nach der Kirchenordnung und den Verboten gefragt. Aus der Kirche der Liebe und der Versöhnung ist eine Kirche des Rechtes geworden, oder ein christlicher Verein, der als Statut die Kirchenordnung nutzt. Da müssen wir eine Pause machen, um diese Aussage zu verdauen.

Doch aus dem Versuch die Konflikte zu glätten, kommt es eher zu Hass und Verfolgung, zu einer blutenden Reue und erniedrigenden Gerüchten. Das habe ich persönlich erlebt. Ob es einmal zu einer Versöhnung kommen wird, bleibt unentschieden.

Der Evangelist Lukas gibt uns hier einen Einblick in die Zeit der ersten Christenheit. Es muss eine spannende Zeit gewesen sein. Er schreib nämlich: „die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“ – und gleich darauf erwähnt er einen handfesten Konflikt, der soweit eskaliert, dass es sogar einen Toten gibt. Hier wird richtig ersichtlich, dass ein Konflikt anfangs meistens nur vage, oder latent, oder zwischen den Zeilen zu lesen, entdeckt wird. Wahrscheinlich haben die ersten Apostel das wachsende Problem auch nicht erkannt. Doch denkbar ist es, dass irgend jemand dem Apostel von der stetigen Unzufriedenheit erzählt hat. Es geht nämlich um gleich und nicht gleich !

Es gab damals Judenchristen unterschiedlicher Herkunft. Die griechischen Juden waren im Ausland geboren und die hebräischen Juden in Israel. Sie wollten jedoch alle einmal in der Heiligen Stadt beerdigt werden. Es gab die einheimischen Juden und die Zugereisten. Die Dazugekommenen jedoch hatten in der ersten Gemeinde ein größeres Gewicht und führten eine andere Rolle bei der Entwicklung des Christentums. Einige unter ihnen hatten sogar das Pfingstwunder in Jerusalem erlebt, was die Einheimischen in ein gewisses Nachteil versetzte.

In Jerusalem schien es jedoch anders zu sein. Da wurden die einheimischen Witwen anscheinend besser versorgt als die ausländischen Witwen. Die ausländischen Witwen wurden nämlich oft übersehen. Vielleicht ist das auch absichtlich geschehen, dass diese zurückgesetzt wurden, um sie spüren zu lassen, dass sie als Zugewanderte und auch ihrer Herkunft nach, doch nicht ganz ebenbürtig waren.

Vielleicht gab es in Jerusalem auch einen unbeugsamen Eigenstolz, oder es gab zu wenig Gemeindehelfer und zu viele Gläubige. Es war somit ein Problem aufgetreten, welches sogar zu einer Divergenz in der Leitung der Gemeinde führte.

Die ersten Christen haben sich anfangs in den verschiedenen Häusern zur Verkündigung und zum gemeinsamen Essen getroffen. Und es war üblich, dass sich alle Beteiligten auch der Hausarbeit widmeten. Auch die Männer mussten hier bedienen, nicht nur die Frauen. Das war eine neue Gemeindepraxis, die sich gewaltig unterschied von dem üblichen Umgang in der Hausarbeit. Es kann auch sein, dass manche Witwen den Männern ein Dorn im Auge waren. Denn sie konnten sich behaupten, sie waren informiert und stellten Forderungen.

Es ging in diesem Konflikt vielleicht nicht nur um sachliche Dinge, sondern auch um Gefühle und um Erfahrungen. Doch das war eigentlich kein Grund dafür, die Witwen zurück zu setzen. Vielmehr war der Hauptgrund der Unzufriedenheit der, dass die Gemeinde gewachsen war und die herkömmliche Leitungsform nicht mehr genügte. Die Verantwortung wurde größer und musste auf mehrere Schulten verteilt werden. Es kamen Kinder hinzu, die unterwiesen werden mussten. Es kamen Bedürftige hinzu, die unterstützt werden mussten, es kamen Kranke hinzu, die gepflegt werden mussten. Es wurden Ländereien und Häuser der Geminschaft gespendet, die mussten verwaltet werden. Und es waren auch Witwen da, deren Männer als Hauptverdiener verstorben waren. Also ein ganz neues Management musste her. Und vor allem musste daran gedacht werden, dass Schwarze und Weiße, Juden und Römer und Griechen, Reiche und Arme, Sklaven und Söldner, also viele unterschiedliche Menschen zu dieser ersten Christengemeinschaft gefunden hatten, wo dann nicht selten ethnische und mentalitätsartige Probleme auftraten.

In einer solchen Situation stehen wir heute. Aufgrund der massiven Auswanderung hat unsere Kirche einen massiven Aderlass erleiden müssen. Wenn früher die Kranken und Bedürftigen in unseren Großfamilien versorgt wurden, muss diesen Dienst die Kirchengemeinde übernehmen. Wo früher die Nachbarschaft so eine wichtige Rolle für die Betreuung innerhalb der Straßenzüge übernahm, finden wir heute kaum noch Nachbarväter, die diesen Dienst tun wollen. Wir sprechen auch verschiedene Sprachen. Jeder drückt sich vor der Verantwortung nach der Devise: Jeder ist sich selbst der Nächste! Das ist aber nicht christlich. In solchem Denken können wir uns nicht mehr als Kirchengemeinde bezeichnen, sondern nur als Verein, in welchen man die Vereinstaxen zahlt und nur seine Recht zählt, aber die Pflichten vergisst. Wir haben zusätzlich noch das Problem der multiethnischen Gemeinschaft, die im Wachsen ist, aus welcher wir nicht Armenpfleger erwählen können, die nur teilweise akzeptiert werden.

Es gibt so viele Probleme, die uns erreicht haben, dass wir diese hier kaum nennen können. Die Institutionalisierung hat das mit sich gebracht, aber auch die Auswanderung, wo wir als Kirche in der Minderheit leben müssen. Wir sind auch den großen Tendenzen der Mehrheitskirchen ausgeliefert, die unser demokratisches Bewusstsein nicht zulassen kann.

Es ist also eine Neuorientierung, eine Erneuerung nötig. Wir brauchen 7 würdige Vertreter, die die Aufgaben Christi in einem neuen Licht sehen und ausführen. Wir brauchen 7 Mitarbeiter für die Verkündigung, die das Wort Gottes wieder zu ihren Ursprüngen führen, die Versöhnung und Erlösung durch Christi Wirken in den Vordergrund stellen. Wir brauchen 7 Gemeindehelfer, die die Diakonie leiten und nicht nur human, sondern christlich gestalten. Wir brauchen 7 Engagierte Christen, die nicht die Ersten sein wollen, wenn das Wirtshaus öffnet, sonder die Ersten sind, wenn die Glocken zum Gottesdienst rufen. Denn „wo der Geist Gottes weht, die sind Gottes Kinder“ ... und das wollen wir. Deshalb wäre es gut, alle Konflikte beizulegen und mit aller Kraft das Himmelreich auf Erden nach den Weisungen unseres Heilandes Jesus Christus zu bauen. Amen.

Gebet:

Wir danken dir, allmächtiger Gott und himmlischer Vater, für alle Gaben des Leibes und der Seele, die wir von dir empfangen haben. Leite uns durch deinen Geist. Lehre uns die Liebe für den Nächsten auch leben, damit wir den Mut bekommen Konflikte in Liebe zu lösen. Lehre und den Nächsten zu schätzen und zu lieben und ihm nach deinem Willen zu begegnen.

Wir beten für deine Kirche auf Erden, für unsern Bischof und für die Prediger des Wortes Gottes, wie auch für die vielen Helfer in unseren Gemeinden. Gib Freude und Mut dein Wort zu verkündigen, deine Wahrheit zu lehren und deiner Gemeinde zu dienen. Erinnere alle Christen an das große Heil in Jesus Christus. Mach es möglich, dass alle Menschen im Glauben zueinander finden, einander helfen und wie Brüder in Christus zu leben. Lenke die Regierenden der ganzen Welt, dass sie sich für den Frieden in der Welt einsetzen. Wir spüren, dass es in der Welt brodelt, dass sich etwas tut, doch nicht zum Guten. Beseitige, Herr, duch deine allmächtige Kraft die vielen Gefahren, die uns bedrohen. Lass auch bald den Tag kommen, da wir endlich aus dieser Gesundheitskrise befreit werden, dass wir uns wieder froh und freudig die Hände reichen können. Hilf den Wissenschaftlern schneller zu einem wirksamen Ergebnis zu kommen.

Wir bitten dich um deinen Segen für die Witwen und Waisen auf der ganzen Welt. Wir bitten dich für Notleidenden, die Bedürftigen, die Kranken und Schwachen in unseren Gemeinden, und auch auf der ganzen Welt. Lass die Menschen zur Vernunft kommen, um der Gemeinschaft mit neuen Kräften und neuen Erkenntnissen zu dienen. Auch den Sterbenden schenke ein seliges Ende, ein Ende ohne innere Not und argen Schmerzen.

Wir bitten dich für unsere Verwandten, Bekannten und Freunde, in der Nähe und in der Ferne, ob sie in Schwierigkeiten stecken oder ob sie zufrieden sind. Sei mit ihnen nach deinem großen Willen und deinem wahrhaften Entscheiden.

Sei auch mit den vielen ärztlichen Helfern in dieser Zeit und unterstütze sie in ihrem Einsatz und in ihren Initiativen, damit den Notleidenden und der ganzen Menschheit dadurch geholfen werde. Schenke allen Menschen Mut und Kraft zum wahren Bekenntnis an Jesus Christus.

Wir gedenken vor dir auch der Freunde, die in besonderer seelischer Not stehen. Wir denken an die Freunde, die ihre Not in Alkohol, Medikamenten und Drogen verdrängen wollen und daher Leid und Schmerzen über ihre Familie bingen. Wir wissen manchmal nicht, wie wir ihnen helfen können und suchen unendlich lange nach Lösungen. Wir bitten dich, gib uns die rechten Gedanken und Worte zu diesem allgemeinen Problem unter uns, damit wir helfen können. Herr, unser Gott, erhöre unser Gebet.

Wir beten dich an und nennen in der Stille unsere Anliegen, unsere Probleme und auch die Namen derer, die uns besonders am Herzen liegen, mit ihrer Not und ihrer Schwachheit, und bitten dich um deinen Beistand ... (Wir bitten dich im besonderen für NN ...)

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke, unsere Zuvericht und unsere Hoffnung. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen


Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Der Herr segne und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden.


Amen