Hausgottesdienst am 5. Trinitatissonntag,

dem 12. Juli 2020

Hausgottesdienst am 5. Trinitatissonntag, dem 12. Juli 2020, Pfarrer Kurt Boltres

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Tagespsalm Nr. 73 „Anfechtung und Trost“

Gebet:

Allmächtiger Herr und Gott, der Vater, der Sohn und der Heiliuger Geist. Du bist die Quelle des Lebens, ohne dich ist unser Wort leer. Unsere Seele ist jedoch oft unsicher und voller Angst. Beseitige unsere Fehltritte, wie auch die Schuld, die uns vor dir und unseren Mitmenschen trennt. Lass uns mit neuem Mut der Welt begegnen. Wir heben unsere Hände zu dir empor und bitten dich: Herr erbarme dich unser !

Wir lesen Gottes Wort im Evangelium des Lukas 5,1-11

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth 2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!

5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.

8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Begnadete Nachfolge

Liebe Schwestern und Brüder, leibe Gemeinde,

Uns allen ist die Begebenheit am See Genezareth aus unserem Religionsunterricht her bekannt. Wir haben gelegentlich auch Bilder gesehen, die diese Geschichte im Erzählen belebten. Ich selber bin in Israel gewesen und habe am See Genezareth auf den Ruinen des Hauses von Simon Petrus gestanden. Das Haus liegt nicht weit vom Ufer entfernt, so dass man von da aus das leise Plätschern der sich brechenden Wellen hören kann. Ich habe noch eine Stelle am See in Erinnerung, wo etwa Jesus Christus im Boot gestanden haben könnte. Es ist eine leichte Bucht, so wie ein Amphitheater, in welcher die Leute gesessen haben, von wo aus auch jedes Wort zu verstehen war, das Jesus vom Boot aus gesprochen hatte.

Ich weiß nicht was Jesus den Menschen gepredigt hat, es ist uns nicht bekannt. Aber das große Fischwunder ist gewiss geschehen. Der erfahrene Fischer Simon kennt wohl die günstige Zeit um die Netze auszuwerfen und weiß, dass es hier in dieser Zeit vergeblich sein könnte. Doch auf den autoritären Befehl des fremden Jesus fährt er dennoch hinaus auf den See und kehrt als Beschenkter zurück.

Manchmal verstehen wir das unvernünftige Handeln dieses Mannes nicht. Er hätte sich mit dem Riesenfang zufrieden geben können, denn es hätte für mehrere Monate an Essen gereicht. Doch er lässt alles zurück, Haus, Hof und Familie und folgt dem Heiland nach. Hätte er von seinem Märtyrer-Ende gewusst, so wäre er Jesus bestimmt nicht gefolgt, - meinen wir heute. Aber diese ungewisse Zukunft, wie auch die Mühe, die Sorgen und die Auswegslosigkeit verleiten Petrus nicht dazu, das Angebot Jesu abzuschlagen. Er folgt einer ihm noch nicht bekannten Berufung. Alles, was ihm lieb und wertvoll gewesen ist, die Familie, die Freunde, die Fischerboote und Netze lässt er also zurück und folgt dem Heiland.

Hören wir aufmerksam das Predigtwort aus der Bibel, so merken wir, daß Simon Petrus genaue 3 Mal kaum auf die Weisungen des Heilandes reagiert, aber er tut ohne Widerrede das, was von ihm verlangt wird. Das ist eigentlich komisch ? Denn:

Als der fremde Jesus in sein Boot steigt und ihn auffordert die seichte Bucht anzusteuern, widerspricht er nicht. Er hatte doch die ganze Nacht durchgearbeitet. Aber Hilfe leisten ist keine Schande. Er hätte auch gerne während der Rede ein wenig geschlafen, aber etwas lässt ihm keine Ruhe. Die Worte dieses fremden Jesus klingen ergreifend und gehen tief in seine Seele. Diese Worte sind es wohl gewesen, die Simon bewegt haben, alles zurück zulassen und zu gehen.

Auch zum 2. Mal widerspricht Simon nicht, als er aufgefordert wird hinaus auf den See zu fahren, um zu fischen. Seine Erfahrung, seine Fangtechnik und seine Position innerhalb des Fischerdorfes nutzen ihm nichts, er kann nicht widersprechen und eine ungünstige Fangzeit mitten am Tage angeben. Er fährt ohne Widerrede hinaus und kehrt als Begnadeter und überaus Beschenkter zurück. Dieses 2. Mal, dieses Fischwunder bestätigt nun das Gehörte, so dass Simon auf die Knie niederfäll und fleht: „Herr, gehe weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch“. Doch Jesus beruhigt ihn und sagt: „Fürchte dich nicht ! Von nun an wirst du Menschen fangen“.

Zum 3. Mal kommt es ebenfalls zu keiner Widerrede, als Simon aufgefordert wird mitzugehen. Doch diesmal hat er einen Auftrag, den er selbstlos bis an sein schreckliches Ende ausführen wird. Menschen soll er fangen, Menschen soll er zum Glauben an Jesus Christus führen und dafür wird er gesegnet mit der Kraft aus der Höhe.

Es ist erstaunlich, dass Simon der Fischer zu einer so bedeutenden Persönlichkeit aufstieg. Ist das geschehen, weil er sich nicht widersetzte und selbstlos dem Auftrag seines Herrn und Meister folgte. Dieser Petrus und auch der Eiferer Paulus wurden zu den Grundsteinen der christlichen Kirche. Wir erinnern uns doch daran, dass Petrus nach seinem Bekenntnis: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn“ von Jesus abermals gesegnet wird. Gleichzeitig wird ihm ein neuer Auftrag gegeben. Jesus sagt nämlich zu Simon: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein“.

Mit diesem Petrus und dem großen Lehrmeister Paulus, der in seinen vielen Briefen das Christusverständnis zurecht gerückt hat, mit diesen beiden hat die christliche Kirche begonnen. Beide standen da, ohne Ansprüche auf die Welt und ganz selbstlos, um den Auftrag Christi zu erfüllen.

Die vielen Altarbilder in unseren Kirchen zeigen deshalb immer wieder Petrus und Paulus, einander gegenüber, nie nebeneinander, weil sie beide Grundsteine der christlichen Kirche geworden sind. Und Grundsteine/Ecksteine eines Gebäudes legt man nie nebeneinander, sondern an wichtige Trägerpositionen. So auch diese beiden: Petrus mit dem Himmels-Schlüssel und Paulus mit dem Glaubensschwert.

Diese Kirche wird oft verglichen mit einem Schiff, welches von den Wellen der Zeit hin und her geworfen wird. Dieses Schiff ist vielen Gefahren ausgesetzt und hat im Laufe der Zeit viele Stürme erlebt. Es sind ihm Masten gebrochen worden und es hat Güter und Ladung verloren. Doch dieses Schiff hat seinen Auftrag und es wirft ständig Netze aus, um darin Menschen zu fangen. Dies tut die Kirche Tag und Nacht. Aber immer wieder nach solchen Fängen steht die Kirche als Begnadete und als Beschenkte da. Denn was sie einfängt, das sind nicht irdische Güter und Reichtum, sondern das sind Menschen in besonderen Situationen.

Man könnte meinen, es sind Ertrinkende, die sich an den eigene Sorgen, wie an einem Strohhalm festhalten, sich aber nicht retten können. Ihr Nöte sind zu schwer, um irgend welchen Halt zu geben.

Man könnte auch meinen, es sind Vermisste, die den Fragen der Zeit entlaufen sind. Sie kommen mit der Zeit nicht mehr mit und die Zeit bleibt nicht stehn, der Fortschritt hat sie schon überrollt.

Man könnte auch meinen, es sind Verirrte, die sich nicht mehr zurecht finden. Sie irren umher und suchen ihren Platz und ihren Sinn im Haus, in der Gemeinde, in der Gemeinschaft, doch sie finden ihn nicht.

Man könnte meinen, es sind Hoffnungslose, oder Kranke, die haltlos werden, weil sie die Krankheit nicht in den Griff bekommenUnd man könnte, um in der Aktualität zu bleiben, auch die Corrona-Kranken sehen, die durch die Politik dieser Kirche abgeworben werden. Kirchenverbot, Gemeinschaftsverbot, Veranstaltungsverbot, Reiseverbot bringen die Leute nicht zueinander, sondern auseinander. Der Bezug zueinander und der Bezug zu Gott, dem Schöpfer, geht verloren.

Es können auch Bekümmerte sein, die in ihrem Leid ersticken, oder auch Blinde, die nicht sehen können oder nicht sehen wollen.

Nicht zuletzt können es auch Leidende sein, die in ihren Trübsalen Hoffnung schöpfen. Ihre Schultern sind so beladen, dasss sie bald einknicken.

Das Schiff, die Kirche, welches sich Gemeinde nennt, fängt in seinen Netzen all diese zerbrochenen Menschen auf. Stunde um Stunde werden schiffbrüchige Sünder eingefangen, um sie auf den guten Weg zu bringen. Jesus sagt selbst von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich !“

Trotzdem, auch wenn diese Arbeit, die mit Petrus angefangen hat, einige Mühe kostet und Opfer auf sich bringt, steht die Kirche als Begnadete da und wird von Gott reichlich beschenkt. Sie erhält keine irdischen Güter, sondern die Dankbarkeit dieser schiffbrüchigen Menschen, die im Schoß der Kirche Trost und Kraft erhalten.

Doch der Auftrag Menschen zu fangen gilt nicht nur Petrus und Paulus und den anderen Personen aus der Bibel, sonden dieser Auftrag wird auch uns gegeben. Denn wir sind die Kirche.

Gebet:

Wir danken dir, allmächtiger Gott und Vater, dass du uns deinen Sohn gesandt hast, der uns die Botschaft von der Liebe gebracht hat. Du hast deine Macht durch ihn erwiesen, vornehmlich im Erbarmen und Verschonen. Die Jünger sind ihm öhne Zögern nachgefolgt. Gib dass wir seinem Ruf auch folgen und ihn als unsern herrn erkennen. Hilf uns, unseren Nächsten mit den Augen Jesus zu betrachten und ihn in das Schiff des Glaubens aufnehmen.

Wir beten für deine Kirche auf Erden, für die Prediger des Wortes Gottes, wie auch für die vielen Helfer in unseren Gemeinden. Gib Freude und Mut dein Wort zu verkündigen, deine Wahrheit zu lehren und deiner Gemeinde zu dienen. Erinnere die Christen an das große Heil in Jesus Christus. Mach es möglich, dass alle Menschen im Glauben zueinander finden und wahre Brüder werden. Lenke die Regierenden zu neuem Verständnis für diese Welt, die in dieser Krise hin und her geworfen wird und lass sie für den Frieden eintreten. Beseitige duch deine allmächtige Kraft die vielen Gefahren, die uns bedrohen und lass bald den Tag kommen, da eine Herde und ein Hirte dir dienen können. Schenke uns neue Kraft, damit wir bald aus dieser Gesundheitskrise befreit werden.

Wir bitten dich um deinen Segen für die Notleidenden, die Alleinstehenden, die Bedürftigen, die Kranken und Schwachen in unseren Gemeinden, wie auch auf der ganzen Welt. Lass die Menschen zur Vernunft kommen, um der Gemeinschaft mit neuen Kräften und neuen Erkenntnissen zu dienen. Lass uns bereit sein dir zu dienen, lass uns auch wach sein für dein Gebot.

Wir bitten dich auch für unsere Verwandten, Bekannten und Freunde, in der Nähe und in der Ferne, ob sie in Schwierigkeiten stecken oder ob sie zufrieden sind. Sei mit ihnen nach deinem großen Willen und deinem wahrhaften Entscheiden. Sei auch mit den vielen ärztlichen Helfern in dieser zeit und unterstütze sie in ihrem Einsatz und in ihren Initiativen, damit der ganzen Menschheit dadurch geholfen werde. Schenke allen Menschen Mut und Kraft zum Bekenntnis.

Wir gedenken vor dir auch der Freunde, die in besonderer seelischer Not stehen. Wir denken an die Freunde, die ihre Not im Alkohol ertränken wollen und daher Leid und Schmerzen über die Familie bingen. Asuch diejenigen schließen wir in unser gebet, die den Drogen nicht widerstehen können. Wir wissen manchmal nicht, wie wir ihnen helfen können und suchen nach Lösungen. Wir bitten dich, gib uns die rechten Gedanken und Worte zu diesem allgemeinen Problem unter uns, damit wir helfen können. Herr, unser Gott, erhöre unser Gebet.

Wir beten dich an und nennen in der Stille unsere Anliegen, unsere Probleme und auch die Namen derer, die uns besonders am Herzen liegen, mit ihrer Not und ihrer Schwachheit, und bitten dich um deinen Beistand ... (Wir bitten dich im besonderen für NN ...)

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke unsere Zuvericht und unsere Hoffnung. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Der Herr segne und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen