Hausgottesdienst am Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr dem 8. November 2020

Hausgottesdienst am Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, dem 8. November 2020, Pfarrer Kurt Boltres

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Tagespsalm Nr. 90

Gebet:

Allmächtiger Herr und Gott, der Vater, der Sohn und der Heiliger Geist. Du bist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in allen Gefahren, die uns bedrängen. Wir bringen vor dich die Not unserer Kirche, unsere Armut an Glauben, an Hoffnung und Liebe. Schütze uns vor den Angriffen des Bösen und lass nicht zu, daß wir von dir getrennt werden. Wir verlangen nach deiner Nähe. Richte du uns darum auf. Wir rufen dich an: Herr erbarme dich unser !

Wir lesen Gottes Wort im Brief an die Thessalonicher 5,1-6

Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Nah-End-Erwartung

Liebe Brüder, liebe Schwestern in Christus,

Der Tag des Herrn ist nahe, so lautet der Aufruf des Apostels. Doch nahe ist nicht jetzt und ist auch nicht bald. Der Tag des Herrn hat keinen konkreten Zeitbegriff, obwohl es Zeiten in der Christengeschichte gab, in denen die Nähe des kommenden Christus, innig erwünscht wurde.

Doch in den Zeiten der ersten Christen, vor beinahe 2000 Jahren war eines völlig klar: Der Tag des Herrn kommt bald ! Alle Apostel, alle Diakone und Bischöfe der Urchristenheit, verkündeten damals, dass der Herr bald wiederkommen wird, um die Erde zu richten mit seiner Gerechtigkeit. Selbst der Apostel Paulus lebte in dieser „Naherwartung“ seines erlösenden Herrn. Und er ermahnte auch dementsprechend seine Gemeinden, wach zu bleiben und das große Ereignis der Weltgeschichte nicht zu verpassen, etwa durch ein falsches Leben.

Heute aber wissen wir, dass der Apostel Paulus sich in seiner Naherwartung (Nah-End-Erwartung vom Weltende) geirrt hat, denn es kam bisher kein Weltende über die ersten Christen. Doch der Apostel Paulus hat in seinen Zeiten gedacht und nicht so sehr in unserer Zeit oder in der Zeit Gottes. Der Tag Christi wird aber noch kommen.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man Gottes Nähe oder Gottes Ferne in besonderer Weise erlebt. Ob der Tag Christi, der Tag der Wiederkunft, der Tag des Wiedersehens mit unseren Verstorbenen, jetzt in diesem Augenblick oder in 10 Minuten oder in x Tagen sein wird, ändert nichts an der Tatsache, dass Gott bei uns sein wird, bis ans Ende der Welt. Er ist in unserer Nähe, sowohl in Augenblicken der Liebe und der Freude, als auch in den Momenten des Gerichtes.

Gerade jetzt ist solch ein Gedenktag des Gerichtes. Er ist vor mehr als 75 Jahren geschehen und schwärzt die deutsche Geschichte. An diesem Tag, so sagen es viele Menschen, war Gott weit weg und hat keinen Finger wegen des Progroms krumm gemacht. Er hat dem Bösen freie Hand gegeben, was für viele Menschen Schicksalbestimmend wurde. Den 9. November 1938 nennt man noch den Scheitelpunkt der November-Progrome. Denn nach einem Mordanschlag auf einen deutschen Diplomaten in Paris inszenierten die Nazis diese böse Tat, die als Reichskristallnacht bekannt wurde.

In der NS-Propaganda werden die vor allem von SA- und SS-Mitgliedern in Zivilkleidung begangenen Ausschreitungen als Ausdruck des „Volkszorns“ gegen die Juden dargestellt. Im ganzen Gebiet des Deutschen Reiches wurden an diesem Tag (9-10. Nov) jüdische Geschäfte und Einrichtungen demoliert, und sogar Synagogen in Brand gesteckt. Hunderte von Juden (15.000) wurden innerhalb weniger Tage allein in Deutschland grundlos ermordet. Diese Ereignisse markieren den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden in der Diktatur des Nationalsozialismus. Während des Zweiten Weltkriegs mündet der Antisemitismus in Deutschland in den heute als Holocaust bezeichneten industriell betriebenen Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Juden und weiteren aus rassistischen Motiven ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen (auch Romas) in den Vernichtungslagern des NS-Regimes.

Wenn man diese Berichte liest und darüber Dokumentationen sieht, kommt es einem nicht zu glauben, dass Gott diesen „industrielle betriebenen Völkermord“ zugelassen hat. Doch nicht nur die Juden sind von solchen Progromen gezeichnet, übrigens das Wort „Progrom“ stammt aus dem Russischen und bedeutet Verwüstung, Zerstörung, Kravall, denn mit einem Pogrom gehen häufig Plünderung, Vergewaltigung, Mord oder Völkermord einher.

Ja, was ist doch nicht mit unseren siebenbürgischen Leuten, den Vätern und Müttern und Geschwistern in den Nächten zwischen dem 11-13. Januar 1945 geschehen ? Die Russen hatten doch dafür ein Beispiel (einen Präzendenzfall in der europäischen Geschichte) zur Rechtfertigung bereit. Aus diesem Grunde hatten mehr als 35 % der Deportierten im Donbas (Ukraine) in unmenschlichen Zuständen ihr Leben lassen müssen. Sowohl die Juden in den Konzentrationslagern, als auch unsere Deportierten Siebenbürger Sachsen, als auch die vielen anderen leidenden Völker, haben in solchen Augenblicken des Leides und der Verzweiflung dies als den Tag des Herrn gesehen und auch geglaubt. Sie hatten sichtbar den Tag des Gerichtes vor Augen. Frage allezeit im letzten Atemzug: - warum, wofür, wesgegen, wozu ?

Aber es war nicht der Tag, den die Heilige Schrift bezeichnet: „sie werden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Taten“. Es war ein anderer Tag, ein Tag des Schreckens für einige und für andere ein Tag der Erlösung. Die einen haben die Gottesferne erlebt, die anderen sind in der Verzweiflung getröstet worden. Ob es gerecht war oder nicht, das haben wir nicht zu beurteilen.

Jedoch eines bleibt sicher, und zwar, dass wir weder Tag noch Stunde der Wiederkunft Christi kennen. Denn wie der Blitz und das Leuchten am Himmel und wie ein Dieb in der Nacht wird der Tag Christi anbrechen und der Herr, der Christus wird sich in seiner ganzen göttlichen Herrlichkeit offenbaren. Das geschieht ganz plötzlich und unerwartet. Es geschieht auch zu einem gewissen Zweck, das sollen wir nicht vergessen. Er kommt nämlich als der lebendige Herr, um zu richten die Lebenden und die Toten.

Doch bis dahin werden noch spannungsreiche Stunden vergehen. Bis dahin muss noch viel gearbeitet werden an dem Leib und an der Seele. Und für diese irdischen spannungsreichen Stunden gibt es eine gute Geschichte:

Ein junges Paar will Hochzeit feiern. Wie es üblich ist, beginnen schon Wochen vorher die Vorbereitungen. Es wird eingeladen, eingekauft und es wird gebacken. Endlich ist der große Tag gekommen. Viele Gäste sind zur Hochzeit geladen worden. Es soll doch ein großes Fest sein. Unter den geladenen Gästen ist auch die Tante des Bräutigams. Sie kommt von weit her, von Deutschland, aber man muss sie von der Bahn abholen.

Der Bräutigam, weil er gerade keine Beschäftigung hat, wir geschickt, die Tante abzuholen. Als er jedoch am Bahnhof ankommt, findet er sie nicht. Er geht auf und ab, und er fährt hin und her, er sucht sie überall, doch ohne Erfolg. Die so wichtige Tante ist nicht aufzufinden. Die Zeit vergeht und sie vergeht ... und daheim wartet die Braut !

Der Bräutigam kommt und kommt doch nicht. Schon macht sich der erste Ärger bereit. Schließlich muss die standesamtliche Trauung verschoben werden. Glücklicherweise ist die kirchliche Trauung für den späten Nachmittag festgelegt worden. Doch wo ist der Bräutigam ?

Die Tante ist gerade in einem Taxi angefahren und mit großer Verspätung kommt endlich auch der Bräutigam zu seiner ungeduldig wartenden Braut. Das waren für alle spannungsreiche Stunden, natürlich am meisten für die Braut.

Ähnlich mag auch die Stimmung in der ersten Zeit der Christen gewesen sein, wo alle auf Christus gewartet haben. Diese Gemeinden, an die sich der Apostel adressiert, warten gespannt auf den Bräutigam, auf den wiederkommenden Christus. ER wird kommen – schreibt ihnen der Apostel Paulus. Er wird aber plötzlich und unangemeldet erscheinen und überraschend, wie ein Dieb in der Nacht wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Diesen Augenblick, diese Zeit kennt nur der himmlische Vater.

Das Entscheidende dabei ist, dass Jesus die Menschen kennt, denn er hat als Mensch unter Menschen gelegt. Er hat Armen und Kranken geholfen und er hat das Kreuz, großes Leiden und das sühnhafte Sterben auf sich genommen. Er ist danach vom himmlischen Vater auferweckt worden von den Toten und lebt und regiert in Ewigkeit. Dieser Glaube an Gottes Opfer wird uns für die Ewigkeit vorbereiten. Bis dahin wird es allerdings spannend sein zu leben. Einmal geborgen in der Liebe Gottes und ein andermal im Gericht, doch nicht im ewigen Gericht. Aber jedes Mal geborgen und getragen von der Gnade, der Güte und der Barmherzigkeit des Herrn.

Unsere aktuelle Frage stellt sich nun im Komtext der Corona-Pandemie ! Ob sie natürlich oder künstlich geschehen ist und gleichzeitig die ganze Erde erfasst hat, beschäftigt uns mehr denn je. Die neuprotestanischen Sekten sehen darin ihre Chance. Sie riechen darin das Gericht für alle Sünder. Doch sie selbst fühlen sich als die Gerechten, die schon Erlösten.

Das ist nicht weit weg von den Aussagen der Pestprediger des Mittellters, wo die Kirche mit der Angst der Christen Geschäfte machen wollte. Martin Luther hat dagegen gewettert. Mit ihm ist eine Ernüchterung in Sachen göttlichem Gericht eingetreten. Seither ist die Frage offen. Aber Gottes Wort steht dennoch fest. Denn bei Gott zählen Stunden, Tage, Jahre nicht. Und seine Zeit kommt gewiss und steht fest: ER wird kommen und dann Gnade uns ! Denn der Herr ist nahe !

Wir jedoch rühmen uns nicht unserer Werke, unserer Nächstenliebe und unserer Heiligen, sondern sind gewiss, dass alle Dinge uns nicht scheiden können von der Liebe, der Gande und der Barmherzigkeit Gottes. Diesem Glauben bleiben wir treu ! Amen.

Gebet:

Wir danken dir, allmächtiger Gott und himmlischer Vater, und peisen dich, daß du deiner Kirche in den Tagen der Reformation die Botschaft von der Rettung des Sünders neu geschenkt hast. Erhalte uns die unverfälschte Verkündigung des Wortes Gottes und stärke unseren Glauben, daß wir uns in aller Anfechtung zu dir halten und deinen Namen immer wieder bekennen. Reinige unsere Herzen und erneuere unser Leben, daß wir in Liebe und Demut einander dienen, unser Kreuz auch willig tragen und endlich Eingang finden in das Reich deiner ewigen Herlichkeit.

In deine Gnädige Hand legen wir all unsere Sorgen und Nöte. Wir bitten dich für unsere Kirche, ihren Bischof und für alle diensttuenden Pfarrer, wie auch Kuratoren und Presbyter. Stärke sie im Glauben und lass sie in dieser Zeit der Not den Dienst am Nächsten nicht vergessen. Herr Jesus Christus, du hast den Kampf gegen die Mächte der Finsternis siegreich bestanden und den Tod überwunden. Du befreist uns von Angst vor aller Ungewissheit und seelischer Krankheit. Du wandelst sie in getroste Zuversicht. Stärke in uns den Glauben an deine Barmherzigkeit und mache uns fest in der Gewissheit, daß wir für immer mit dir verbunden sind. Mach es möglich, dass alle Menschen im Glauben zueinander finden, einander helfen und wie Brüder in Christus untereinander leben. Lenke die Regierenden der ganzen Welt, dass sie sich für den Frieden in der Welt einsetzen.

Wir spüren, dass es in der ganzen Welt brodelt, dass sich etwas tut, doch nicht zum Guten. Beseitige, Herr, duch deine allmächtige Kraft die vielen Gefahren, die uns bedrohen. Lass auch bald den Tag kommen, da wir endlich aus dieser Gesundheitskrise befreit werden, dass wir uns wieder froh und freudig umarmen und uns die Hände reichen können. Hilf den Wissenschaftlern schneller zu einem wirksamen Ergebnis zu kommen.

Wir bitten dich um deinen Segen für die Witwen und Waisen auf der ganzen Welt. Wir bitten dich für die Notleidenden, die Bedürftigen, die Kranken und Schwachen in unseren Gemeinden, und auch auf der ganzen Welt. Lass die Menschen zur Vernunft kommen, um der Gemeinschaft mit neuen Kräften und neuen Erkenntnissen zu dienen. Auch den Sterbenden schenke ein seliges Ende, ein Ende ohne innere Not und argen Schmerzen.

Wir bitten dich für unsere Verwandten, Bekannten und Freunde, in der Nähe und in der Ferne, ob sie in Schwierigkeiten stecken oder ob sie zufrieden sind. Sei mit ihnen nach deinem großen Willen und deinem wahrhaften Entscheiden.

Sei auch mit den vielen ärztlichen Helfern in dieser Zeit und unterstütze sie in ihrem Einsatz und in ihren Initiativen, damit den Notleidenden und der ganzen Menschheit dadurch geholfen werde. Schenke allen Menschen Mut und Kraft zum wahren Bekenntnis an Jesus Christus.

Wir gedenken vor dir auch der Freunde, die in besonderer seelischer Not stehen. Wir denken an die Freunde, die ihre Not mit Alkohol, Medikamenten und Drogen verdrängen wollen und daher Leid und Schmerzen über ihre Familie bingen. Wir wissen manchmal nicht, wie wir ihnen helfen können und suchen unendlich lange nach Lösungen. Wir bitten dich, gib uns die rechten Gedanken und Worte zu diesem allgemeinen Problem unter uns, damit wir helfen können. Herr, unser Gott, erhöre unser Gebet.

Wir beten dich an und nennen in der Stille unsere Anliegen, unsere Probleme und auch die Namen derer, die uns besonders am Herzen liegen, mit ihrer Not und ihrer Schwachheit, und bitten dich um deinen Beistand ... (Wir bitten dich im besonderen für NN ...)

Du, Herr, bist unsere Glaubensstärke, unsere Zuvericht und unsere Hoffnung. Dir vertrauen wir und beten dich an, hier und jetzt, sowie in Ewigkeit. Amen

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute,

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigen.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Der Herr segne und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden.

Amen